Banken: die Unterschiede zwischen Deutschland und Indien

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Sebastian ZangGeschrieben von:

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Auch in Indien hat so gut wie jeder ein Handy – aber die wenigsten Inder besitzen ein Konto. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern, wenn es nach den indischen Banken geht. Bislang ist die Kontoeröffnung sehr langwierig, selbst wenn es sich nur um ein reines Girokonto ohne Dispo und ohne Kreditkarte handelt.

Kontoeröffnung in Indien ist langwierig und umständlich

Wer in Indien ein Konto eröffnen möchte, der benötigt hierfür im Schnitt fünf Monate – selbst dann, wenn kein Überziehungskredit und keine Kreditkarte beantragt werden. Es müssen unzählige Unterschriften geleistet, eine eidesstattliche Versicherung abgegeben werden und es folgen einige Hausbesuche der Bankmitarbeiter. Wer ein Wertpapierdepot einrichten möchte, der muss einen Antrag von mehr als 100 Seiten durchlesen.

Trotzdem befindet sich der Bankensektor in Indien im Umbruch. Nur etwa 6 % der 600.000 Dörfer in Indien verfügen über eine Bankfiliale. Probleme gibt es vor allem bei einkommensschwachen Personen in der Bevölkerung, für sie ist es nahezu unmöglich, ein Girokonto zu eröffnen. Denn in Indien ist es üblich, sich eine Wohnung oder ein Zimmer mit anderen zu teilen, dadurch fehlt der erforderliche kafkaeske Wohnsitznachweis.

Der Finanzsektor Indiens hinkt Jahrzehnte hinterher

Der Finanzsektor in Indien hinkt der Zeit hinterher, denn er ist einerseits staatlich bürokratisch, andererseits aber auch marktwirtschaftlich mit einem rasanten Wachstum ausgestattet. Die Liberalisierung, für die sich die Regierung Modi verantwortlich zeichnet, führt mittelfristig zu einem guten Wachstum, wovon auch der Bankensektor profitieren wird. Außerdem wird derzeit versucht der Korruption Einhalt zu gebieten.

Neben der Unterversorgung mit Bankprodukten, gibt es noch weitere Probleme. Denn noch immer liegen etwa 70 % der indischen Vermögenswerte bei den Staatsbanken, die noch einige faule Kredite in ihren Büchern haben. Außerdem ist Indien schlecht mit Kapital ausgestattet, denn der Finanzsektor benötigt 2018 zum Eintritt der Basel III Regeln rund 30 Milliarden €.

HDFC Bank ist Indiens Bank Nummer 1

Die bekannteste private Bank in Indien ist in Deutschland noch gänzlich unbekannt: die HDFC Bank, die fast 3.500 Filialen in Indien betreibt und über 11.000 Geldautomaten. Seit 1998 konnte die Bank ihren Gewinn um durchschnittlich 20 % steigern.

Die Reserve Bank of India hatte sich auf die Fahne geschrieben, all jene zu integrieren, die bislang noch kein Bankenkonto eröffnen konnten. Sie bietet auch kleineren Unternehmern und Landwirten Zugang zu Girokonten, Geldautomaten und Schecks. Die sogenannten Small Banks sollen überall regional vertreten sein. Im Vergleich dazu kann in Deutschland mittlerweile ein Bankkonto sogar per VideoIdent innerhalb von wenigen Minuten eröffnet werden. Und auch ein Kredit wird heutzutage üblicherweise online bei einem Kreditvergleich beantragt, zum Beispiel bei smava.

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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