Der Cruiser „Thunderbird 500“ von Royal Enfield – Fahrbericht

Motorradtouren in Indien

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Kein Modell aus der Motorrad-Manufaktor Enfield wurde in jüngerer Vergangenheit mit größerer Ungeduld und größerer Neugier der Motorrad-Presse erwartet wie die “Thunderbird 500” (Markteinführung: Oktober 2012). Das Motorrad im Cruiser-Style wurde explizit für längere Motorrad-Touren ausgelegt und hebt sich damit von den übrigen Modellen klar ab. Hier ein Fahrbericht, der auch die Motorrad-Presse zu Wort kommen lässt.

Der Cruiser „Thunderbird 500“ von Royal Enfield – Einführung

Die Modell-Reihe „Thunderbird“ (Cruiser Style) wurde von Royal Enfield im Jahr 2000 eingeführt, und zwar mit dem seinerzeitig neu entwickelten Aluminium Magermixmotor („AVL lean turn engine“). Ab 2009 kommt die neue Modell-Generation in den Genuss der nächsten Motoreninnovation bei Enfield, nämlich dem sogenannten „Unit Construction Engine“ (technische Details hier: Unit Construction engine vs Cast Iron Engine ). Wegen der Zwillings-Zündkerzen im Motor lief die Thunderbird-Modellserie fortan unter dem Namen “Thunderbird Twinspark”.

Das neue „Thunderbird Modell“ (mit 350 oder 500 CC Motor) wurde im Oktober 2012 auf den Markt gebracht. Das Modell ist explizit für „long-distance riding“ ausgelegt, also längere Motorradtouren: Großer Tank mit 20 Litern (versus 14,5 Litern bei der „Enfield Classic 500“), zwei Scheibenbremsen, komfortabler Fahrersitz, nach vorne versetzte Fußrasten und einem Lenkrad mit weit ausladender Gabel. Der „Ex-Showroom“ Verkaufspreis liegt bei etwa 170.000 Rupien (ca. 2.100 EUR), der “On-the-Road“ Verkaufspreis (inkl. Registrierung, lebenslanger KFZ-Steuer) liegt bei etwa 200.000 Rupien (ca.2.500 EUR). Während die Wartezeit (Stand: Juni 2014) für die „Enfield Classic 500“ bei ca. 6 Monaten liegt, für die „Continental GT“ bei 2 Monaten, liefern Enfield-Händler die „Thunderbird 500“ im Übrigen bereits innerhalb von 45 Tagen aus.

Vor dem Kauf der „Thunderbird 500“ im Juni 2014 habe ich zahlreiche Fahrberichte gelesen, mit Enfield-Fans ausgetauscht und natürlich eine Probefahrt gemacht. Nachfolgend eine Zusammenstellung von Testfahrberichten und meinen eigenen Bewertungen. Viel Spaß beim Schmökern!

Der Cruiser „Thunderbird 500“ von Royal Enfield – Der Motor

Das Modell “Thunderbird 500” bringt bis zu 27 PS auf die Straße, der Motor überzeugt vor allem bei niedrigen und mittleren Drehzahlen. Der Testbericht des Online-Magazins “Motoroids” kommentiert: “(…) the Thunderbird loves to cruise between 3.000 to 3.500 rpm singing its happy thumping tune. Twirl the throttle a bit more and the engine starts protesting. The motorcycle gets more vocal, vibes will amplify at the pegs and the handlebars. One might still tolerate the newfound drama till 4.000 rpm, anything over is ‘exasperation’, though we couldn’t help maxing it out at 115 kph riding two up.” [1] Die Hindustan Times pflichtet bei: „The T’bird 500 (…) feels best when cruising at speeds of between 80-100kph.” [2].

Kurz: Das Modell „Thunderbird 500“ ist also für das „Cruising“ ausgelegt, nicht für den Adrenalin-Kick im Geschwindigkeitsrausch. Während sich der „Kick-Down“ auf einem japanischen Sportbike unmittelbar in schwindelerregende Beschleunigung übersetzt, reagiert die TB500 eher gemächlich: “The ample low end torque will keep things happy and sorted. If you’re looking for something that would overtake other vehicles with a rush, the Thunderbird isn’t your kind of motorcycle.” [1] Denn wer eine Royal Enfield fährt, genießt vielmehr “the leisurely and relaxed feel of the engine within its comfortable operating zone” [1]

Das Motorrad schafft im Übrigen etwa 30 Kilometer pro Liter, im Stadtverkehr etwas weniger. Der 500cc Motor – obwohl der Gleiche wie bei der „Enfield Classic 500“ – ist auch etwas leiser ausgelegt als bei den übrigen Enfield Modellen. Abschließender Hinweis: Die Schaltung könnte etwas runder verlaufen. Zwar ist mein TB500 noch ganz neu, die mechanischen Teile noch nicht vollständig eingefahren, aber einige Fahrberichte deuten darauf hin, dass der Gangwechsel eher ruppig bleiben wird.

Der Cruiser „Thunderbird 500“ von Royal Enfield – Fahrverhalten & Fahrkomfort

Das Modell “Thunderbird 500” ist klar auf Fahrkomfort für längere Motorradtouren ausgelegt (vgl. oben: Sitzposition, Lenkrad mit weiter Gabel, etc.). Eine sehr ergonomische Sitzposition wird sofort spürbar, alle Testberichte sprechen hier mit einer Stimme. Der Sitzkomfort für den Sozius ist bereits weniger überzeugend (wenn auch besser als bei anderen Enfield Modellen): Das Sitzpolster ist hart und die Rückenstütze wird langfristig unangenehm. Wer als Paar ernsthaft längere Touren plant, sollte über ein zweites Motorrad nachdenken. Die vergleichsweise harte Hinterrad-Federung reduziert noch zusätzlich den Fahrkomfort für den Sozius.

Im Fahrverhalten ist die TB500 sehr angenehmen. Der niedrige Schwerpunkt macht Manöver bei niedrigen Geschwindigkeiten einfach (ebenso das Auf- und Absteigen). Und mit dem hohen Drehmoment bei niedriger Drehzahl kann man auch im Stadtverkehr gut manövrieren. Der Testfahrer von “Wheels” konstatiert außerdem: “The stiffer chassis and suspension deliver accurate handling at fast speeds on curvy roads and, thanks to the wide handlebars, directional changes can be made with little effort.“ [3] Gleiche Bewertung eines weiteren Testfahrers: “The new braking and suspension system has improved its ride and handling significantly. This heavy machine now feels more stable and under control at high speeds. Its suspension and rear wide tire gives you a good grip of roads. Its wheelbase (1.350mm) and ground clearance of 140mm helps it to turn easily.” [4]

Der Testfahrer des Online-Magazins „Motoroids“ bewertet Fahrkomfort und Fahrstabilität grundsätzlich ebenfalls positiv: „(…) the TB is indeed meant to cruise in utter comfort. The weight advantage works with an assuring straight line stability and highway cross winds hardly seem to perturb the motorcycle even when being overtaken by bigger vehicles such as the Volvo buses doing their surprisingly high speeds.” [1] Die Kurvenstabilität bei hohen Geschwindigkeiten bewertet der selbe Biker aber kritischer: “Twist the throttle and try hitting the curves at higher speeds and it starts getting nervous. The front feels light and understeers on spirited cornering. The tires struggle for traction, specially the front resulting in running wide from the desired line of travel.” Kurz: Das Modell “Thunderbird 500” punktet bei Fahrkomfort und Fahrstabilität in diversen Fahrsituationen, während das Kurvenverhalten bei höheren Geschwindigkeiten weniger überzeugt.

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[1] “DAYS OF THUNDER! Royal Enfield Thunderbird 500 Review: Images, Specifications, Price And Details”, in: Online-Ausgabe von “Motoroids”, Deepak Dongre, 19.03.2013, URL: http://www.motoroids.com/reviews/days-of-thunder-royal-enfield-thunderbird-500-review-images-specifications-price-and-details/ [Seitenabruf 24.06.2014] [2] ”Royal Enfield Thunderbird 500 first ride, review”, in: Online-Ausgabe der HindustanTimes, 01.12.2012, URL: http://www.hindustantimes.com/Autos/Bike-Reviews/Royal-Enfield-Thunderbird-500-first-ride-review/Article1-966926.aspx [Seitenabruf 28.06.2014] [3] ”The best Enfield ever?”, Harsh Man Rai, in: Online-Ausgabe von “Wheels“, 26.03.2013, http://royalenfield.com/pdfs/news/The_Ultimate_Highway_Cruiser_Thunderbird_500.pdf [Seitenabruf 28.06.2014] [4] ”Royal Enfield Thunderbird 500 Review – Complete Value for Money Cruiser Bike”, 13.05.2014, http://autos.maxabout.com/bikes/royal-enfield/thunderbird/thunderbird-500 [Seitenabruf 28.06.2014] [5] ”Royal Enfield launches next-generation Thunderbird cruiser motorcycles”, in: Online-Ausgabe von “The Economic Times”, 11.12.2012, http://articles.economictimes.indiatimes.com/2012-10-11/news/34387451_1_thunderbird-royal-enfield-motorcycles [Seitenabruf 28.06.2014]

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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