Die Indien Kolumne: Über Yoga

Die Indien Kolumne

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Yoga ist Frauensache. Davon war ich überzeugt. Dann begegnete ich unserem Bekannten Santhosh, Besitzer eines angesagten Hotels in Bangalore, der gerade aus einem Yoga-Studio kam. Yoga wäre ein echter Stressbuster, unbedingt ausprobieren!, empfahl er. Da ich ohnehin gerade über den zunehmenden Verfall meines Fitnessstudios (Gold’s Gym) frustriert war, warum nicht. Schlimmer konnte es kaum kommen. Also Yoga. Für meine erste Stunde stellte ich mich auf eine tiefe spirituelle Erfahrung ein.

Tatsächlich war ich nach der ersten Stunde Yoga so erschöpft wie schon lange nicht mehr, und während der darauffolgenden Trainingswochen hatte ich regelmäßig Muskelkater. Mein Fazit nach einem Jahr Yoga: Meine Spiritualität hat – soweit ich das beurteilen kann (ok, zustimmendes Nicken meiner Frau) – keine wesentlichen Veränderungen erfahren, aber mein Fitnesslevel ist rasant angestiegen und meine Beweglichkeit auch: Ich kann mich zum Beispiel bei durchgestreckten Knien nach vorne beugen, dabei die Handflächen auf den Boden ablegen.

Für mich ist Yoga ist ein gigantisches Baukastensystem, ob Cardio-Training, Atemübungen, Beweglichkeit, ob Rücken-, Nacken-, Becken- oder Bauchmuskulatur, ob Fitness, Entspannung oder Spiritualität: Die verschiedenen Stile des Yoga haben für alles eine Antwort. Das klassische Iyengar Yoga umfasst zahlreiche Balance Übungen und ist gut für Rücken- und Nackenprobleme; Ashtanga Yoga erhöht mit einer schnellen Abfolge von Yoga-Asanas (=Übung, Pose) Fitness und Beweglichkeit; Kundalini Yoga legt den Fokus auf Spiritualität und Achtsamkeit, Atmung spielt eine große Rolle, Kundalini Yogis sind an lockerer, weißer Kleidung erkenntlich; Power Yoga setzt ebenfalls auf schnelle Sequenzen für einen Cardio Workout.

Für einen Expatriate in Indien hat Yoga einen weiteren entscheidenden Vorteil: Es ist keinerlei Infrastruktur erforderlich. Parks zum Joggen oder ein Naherholungsgebiet zum Biken sind in indischen Großstädten Mangelware. Öffentliche Infrastruktur für Badminton oder Schwimmen ist selten vorhanden, diese Option gibt es in der Regel nur für Mitglieder diverser Clubs (z.B. Bangalore Club, Bangalore Club) oder in Gated Communities. Ein Yogi hingegen kann seine Yoga-Matte überall ausrollen: Zu Hause, im Hotel, auf Reisen. Für 15 Minuten zwischendurch oder für eineinhalb Stunden am Wochenende. Yoga ist die perfekte Work-Out Option für den Jet-Setter.

Yoga ist dabei nicht einfach Fitness auf Indisch. Tatsächlich gilt Yoga als ein klassisches System der Philosophie, inzwischen mehr als 2000 Jahr alt. Vereinfacht gesprochen kann Yoga als praktische Umsetzung einer philosophischen Weltsicht gelten, die im sogenannten Samkhya theoretisch fundiert wird. Es handelt sich um eine idealistische Philosophie, das Göttliche steht im Mittelpunkt. Dieses Göttliche ist in allem enthalten, alles enthält einen göttlichen Kern; dies ermöglicht dem Yogi die göttliche Erfahrung. Darum geht es also ursprünglich im Yoga: Es sind Übungen auf dem Weg zur göttlichen Erfahrung.

Soweit bin ich persönlich noch nicht. Mich begeistert Yoga vor allem als Körperkunst. Irgendwo habe ich einmal gelesen, Yoga sei „Poetry in Motion“. Vielleicht verstehen Sie besser, was ich meine, wenn Sie das nachfolgende Video ansehen.

Warning: These Asanas are performed by professionally trained yogis. Don’t try this at home!

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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