Die Zukunft des Outsourcing & Offshoring in Indien

IT Offshoring

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Indien hat wie kein anderes Land vom Trend zum Offshoring von Dienstleistungen profitiert: 65% aller Offshore-Volumina bei IT Dienstleistungen gingen im Jahr 2008 nach Indien, und 43% sämtlicher Unternehmensprozesse. Was sind die Zukunftsaussichten? Wie attraktiv bleibt Indien für das Offshoring?

Offshoring & Outsourcing nach Indien – Ein Überblick

Zunächst eine Begriffsabgrenzung: Offshoring bezeichnet die Verlagerung von Wertschöpfung / Prozessen innerhalb eines Unternehmens in einen sogenannten Offshore-Standort [Beispiel: Softwareentwicklung am indischen Standort von IBM]. Outsourcing demgegenüber ist die Auslagerung von Wertschöpfung / Prozessen an einen externen Dienstleister [Beispiel: IBM USA übernimmt IT Dienstleistungen für einen amerikanischen Mandanten]. Beide Formen treten häufig in Kombination auf, nicht zuletzt aus politischen Gründen. Ein häufiger Praxisfall ist das Outsourcing an ein einheimisches Unternehmen, das Offshoring-Kapazitäten nutzt und Preisvorteile weitergibt. So ist beispielsweise IBM India nach dem Softwaregiganten TCS der zweitgrößte private Arbeitgeber in Indien; Wikipedia weist darauf hin, dass IBM nach zahlreichen Schätzungen in Indien mehr Angestellte hat als im Heimatland USA [1].

Während China [noch] der unangefochtene Liebling für Offshoring in der Fertigungsindustrie ist [aktueller Trend: zunehmende Re-Orientierung von US-amerikanischen Unternehmen nach Mexiko], so belegt Indien mit klarem Vorsprung Platz 1 als Offshore-Zielland im Bereich Dienstleistungen: 65% aller Offshore-Volumina bei IT Dienstleistungen gingen im Jahr 2008 nach Indien, und 43% sämtlicher Unternehmensprozesse [Call-Center, Buchhaltung, etc..]. Und immerhin 6 indische Metropolen tauchen in den TOP 10 der wichtigsten Offshoring-Metropolen auf, die „The Handbook of Global Outsourcing and Offshoring“ aufführt. Selbst im schwachen Wirtschaftsjahr 2012 lag das Exportwachstum der IT Industrie bei fast 20%. [2, 3]

Einer der ersten Wachstumstreiber für Offshoring/Outsorcing nach Indien war offenbar der Preisvorteil. Um das Jahr 2000 lag das Gehaltsniveau in den „Emerging Markets“ etwa bei einem Zehntel der Gehälter in den USA oder Westeuropa. Auch wenn die Gehälter in den vergangen Jahren deutlich angestiegen sind, bleibt ein signifikanter Preisvorteil.

Offshoring & Outsourcing nach Indien – Umfang des Offshoring

Die auf Outsourcing spezialisierte Beratungsfirma Hackett [Sitz: Florida] geht heute von jährlich 150.000 Jobs aus, die aus den USA und Europa verlagert werden. Hackett geht davon aus, dass die Offshoring-Aktivitäten 2013 und 2014 nicht an Dynamik verlieren. Diese Annahme lässt sich an aktuellen Daten leicht plausibilisieren, so beispielsweise dem Exportwachstum von 20% der indischen IT Industrie in 2012. Für die Jahre ab 2015 rechnet die Beratungsfirma mit einem Abschwächen der Dynamik. Nach deren Prognose könnte die Verlagerung von Jobs an Offshore-Standorte ab 2022 sogar vollständig zum Halt kommen.

Wenn die Beobachtung einer Veränderungsdynamik ohne Zweifel richtig ist [nachfolgend werden wichtige Trends bzw. Thesen zum Offshoring/Outsourcing diskutiert/vorgestellt], so sind Prognosen grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen. Nicht zuletzt aufgrund der „politischen Dimension“ des sensiblen Themas ist der Zugang zu belastbaren Daten schwierig, Unternehmen halten sich hier bedeckt. Das gestaltet Prognosen sehr schwierig, wie an einer “Historie” der Prognosen zum Thema Offshoring von Dienstleistungen [also nicht: Produktion] leicht erkennbar wird:

    • Alan S. Blinder von der Princeton University hatte 2006 den drohenden Umfang der künftig verlagerten US-Jobs auf 42 Mio. beziffert.
    • Hackett verortet die Anzahl der verlagerten Jobs in Offshore-Länder zwischen 2002 und 2016 demgegenüber in einer Größenordnung von insgesamt „nur“ 2,1 Millionen, und zwar für USA und Europa insgesamt.
    • Die Daten von Forrester Research liegen eher in der Größenordnung von Hackett, aber dennoch deutlich höher: 3,4 Mio. für den Zeitraum von 2004 bis 2015, allein für die USA.

Eine solche Spreizung der Prognose- bzw. Schätzwerte legt nahe, dass deren Belastbarkeit gering ist.

Hier ein Vorschlag für eine einfache Herleitung, die jenseits der Zahlenmystik großer Beratungsgesellschaften angewandt werden kann. Die in Offshore-Ländern geschaffenen Arbeitsplätze bilden ganz offenbar die Obergrenze der verlagerten Jobs. Die BPO-Industrie [Business Process Outsourcing, inkl. IT-Industrie] in Indien hat heute 2,8 Millionen direkt Beschäftigte [3] – vergleiche auch den Artikel: IT Industrie: Was macht Indien so attraktiv?. Berücksichtigen wir weiter, dass ca. 50% des Global Sourcing für Dienstleistungen Indien zu Gute kommt [vgl. Daten oben], so beläuft sich das Gesamtvolumen auf 5,6 Mio. Beschäftigte an Offshore-Standorten weltweit. Hiervon sind mindestens zwei Abschläge zu machen: Ein Teil der Entwicklung findet auch für den Heimatmarkt statt. Und zweitens halten IT Unternehmen wie TCS oder Infosys sowohl Wachstums- als auch Risikoreserven vor. Auf Basis einer solchen simplifizierten Rechnung verliert eine Prognose wie jene von Alan S. Binder sehr schnell ihr Bedrohungspotential.

Offshoring & Outsourcing nach Indien – Trends

Ohne Zweifel unterliegt Offshoring einer Veränderungsdynamik. Hier spielen technologische ebenso wie unternehmensstrategische Faktoren mit hinein. Im Folgenden werden die wichtigsten diskutiert. Der Fokus liegt hier auf dem Bereich Dienstleistungen. Die Einflussfaktoren unterscheiden sich in einigen Punkten wesentlich von den Faktoren für die Fertigungsindustrie, wo gegenwärtig ein Verlagerungstrend von China nach Mexiko zu beobachten ist [Gründe: Geringere Transportkosten, Starke Schrumpfung des Lohnkostenvorteils Chinas gegenüber Mexiko und geringere Transportzeiten].

Welche Jobs kann ein Unternehmen theoretisch überhaupt verlagern?

In 2006 erklärte die Unternehmensberatung McKinsey, etwa 11% aller Dienstleistungsjobs könnten potentiell verlagert werden, d.h. „ortsunabhängig“ ausgeführt werden. Unabhängig von der Richtigkeit dieser Ziffer kann gelten, dass es folglich einen Saturationspunkt der Verlagerungsdynamik geben muss, der erreicht ist, wenn alle „Offshore-tauglichen“ Jobs verlagert wurden. Hierauf basiert auch die These von Hackett, dass die Verlagerungsdynamik in 2022 zum Erliegen kommen könnte. Der Analyst Pralay Das von Elara Capital aus Mumbai beziffert beispielsweise diese Saturation für den Bankensektor auf 80%, und zwar sowohl für den US-amerikanischen als auch den europäischen Bankensektor.

Die zugrunde liegende These ist auf den ersten Blick überzeugend. Gleichzeitig gilt aber, dass sich auch die Grenze der „digitalisierbaren“ oder „ortsunabhängigen“ Dienstleistungen immer weiter verschiebt. „Digitale Geschäftsmodelle“ bzw. „online-basierte Geschäftsmodelle“ schaffen immer mehr „digitale“ Arbeitsplätze: Die Qualität von Shopping-Erlebnissen im Internet nimmt zu, Behördengänge werden online abgewickelt, die Technologie erlaubt Schlüsselloch-Operationen per Fernsteuerung und Vieles mehr. Und gleichzeitig steigt die Akzeptanz für diese „digitalen“ Angebote.

Der „Saturationsgrad“ kann zudem für verschiedene Volkswirtschaften sehr unterschiedlich ausfallen. Der Schritt nach Indien war beispielsweise für US-Unternehmen aufgrund der sprachlichen Gemeinsamkeiten einfacher als für kontinentaleuropäische Unternehmen. Auch aufgrund einer anderen Unternehmenskultur ist der Umfang der Offshore-Aktivitäten US-amerikanischer Unternehmen deutlich größer ausgefallen als bei vergleichbaren kontinentaleuropäischen Unternehmen. Das Offshoring-Potential für europäische Unternehmen ist mithin noch nicht ausgeschöpft, und Offshoring-Indikatoren deuten für europäische Unternehmen auf eine ungebremste Aktivität hin [4].

Es gilt außerdem, dass die Fertigkeiten der Offshore-Standorte zunehmen und folglich das Offshoring-Potential graduell wächst. Die „coding shops“ der indischen IT-Industrie hatten vor 10 Jahren im Wesentlichen Programmierarbeiten für Dritte umgesetzt. Softwaredesign und –konzeption wurden noch im Heimatland gemacht; heute zählen sie dazu. Ebenfalls noch vor 10 Jahren undenkbar: Bei dem IT-Giganten TCS übernehmen Ingenieure für einen US-Autohersteller die Crash-Simulation oder Simulation von Beschleunigungseffekten. Solche High-End Dienstleistungen sind noch kein Massengeschäft, aber sie wachsen. Der wesentliche Engpassfaktor bildet hier vor allem das Ausbildungssystem. Vergleichen Sie hierzu auch folgenden Artikel: Höhere Ausbildung in Indien: Wie gut sind Colleges und Universitäten?

Letzter Punkt hierzu: Die technologischen Möglichkeiten schaffen immer neue Spielräume für eine ortsübergreifende Zusammenarbeit. Der chinesische Hardwarehersteller Huawei hat im April 2012 anlässlich einer der größten Computerevents das schnellste Internet der Welt aufgebaut, mit einer Übertragungsgeschwindigkeit von 200 GBit. Heute übliche Netzübertragungsraten liegen bei ca. 2 bis 16 MBit [Download]. Webkonferenzen werden immer selbstverständlicher, zumal in der Softwareentwicklung. Citrix bietet virtuelle Konferenzräume mit höchsten Bandbreiten, die Live-Konferenzen in nichts mehr nachstehen. Und gleichzeitig wächst auch hierfür die Akzeptanz bei den Beteiligten. Auch diese Entwicklung schafft weiteres Potential für Offshoring.

Was ist aus ablauf- oder aufbauorganisatorischer Sicht an Offshoring sinnvoll?“

Eine deutlich diffizilere Frage. Die Entwicklungsstrategie der Firma Vektor Informatik GmbH gibt eine anschauliche Illustration für die zugrunde liegende Problematik. Die Firma entwickelt Softwarewerkzeuge und -komponenten für die Vernetzung elektronischer Systemen in der Automobilindustrie, mit ca. 1.100 Mitarbeitern. Vektor ist nun zwar mit Vertriebsmitarbeitern in Indien präsent, nicht aber mit einem IT-Entwicklungsstandort. Das hatte mich zunächst überrascht. Bei genauerer Betrachtung jedoch plausibel: Die IT-Entwicklungsprozesse des Unternehmens sind so eng verzahnt, dass einzelne Entwicklungspakete nur schwer herausgelöst werden können. Eine solche Überlegung gilt insbesondere für die Fertigungsindustrie, wo die Trennung zwischen F&E sowie Produktion inzwischen als kritisch für die Innovationsfähigkeit bewertet wird.

Vergleichbare Überlegungen liegen auch vereinzeltem „Re-Shoring“ von IT-Dienstleistungen zugrunde. General Electric beispielsweise hatte 1997 eines der ersten Full-Service Shared-Service Center in Gurgaon/Indien aufgebaut; noch bis Mitte 2012 wurde in Offshore-Einheiten etwa die Häfte der IT-Entwicklung erledigt. Nun hat GE ein neues IT-Zentrum in Michigan eröffnet, um strategisch wichtiges IT-Knowhow wieder näher an die Zentrale zu holen. Diese vereinzelten Fälle von Re-Shoring lassen sich aber vor allem als Rückabwicklung einer übertriebenen Offshoring-Strategie betrachten – nicht als Entwertung der Strategie an sich.

Prozesstechnische Herausforderungen in der Zusammenarbeit über große Distanzen mögen sich in Zukunft durch technologische Entwicklungen relativieren. Die strategischen Kernkompetenzen, für die Outsourcing oder Offshoring tabu bleibt, sind wiederum abhängig vom Geschäftsmodell und technologieunabhängig – aber gleichwohl unterliegt diese Abgrenzung bis zu einem gewissen Maße Moden der Unternehmensstrategie. Gleichzeitig bestimmt die Wirtschaftspolitik eines Landes [Kontinuität, Stabilität, Ausrichtung] den Risikofaktor für Offshoring und beeinflusst damit die strategische Bewertung. Mit Blick auf Indien gilt: Das politische Investitionsklima kann noch deutlich verbessert werden.

„Was lohnt sich überhaupt [noch] zu verlagern?“.

Die gesamten Kosten pro IT-Ingenieur in Indien lagen lange Zeit ca. 80% unter vergleichbaren Kosten in den USA. Nach mehreren Jahren dynamischer Gehaltsentwicklung ist dieser Kostenvorteil auf ca. 30-40% geschrumpft und schrumpft weiter. Zu dem Schluss kommt Bundeep Ranger, CEO der Beratungsfirma von IndusView [5]. Diese Darstellung ist allerdings sehr pauschal und lässt sich nur bedingt nachvollziehen. Es gilt, dass Gehälter von der Unternehmensgröße abhängen [je größer, desto höher], von dem Standort [Bangalore hat die höchsten Lebenshaltungskosten landesweit] und natürlich vom Qualifikationsniveau. Eine differenzierte Betrachtung findet sich im Artikel “Wie nachhaltig sind niedrige Löhne in Indiens IT Industrie?”. Nur so viel: Der Gehaltsmedian für das Einstiegsgehalt in der IT liegt aktuell [Anfang 2013] bei 300 EUR.

Es gilt dennoch: Auch heute noch weist der IT Standort noch signifikante Kostenvorteile gegenüber Osteuropa und auch China auf. Das bestätigen Führungskräfte multinationaler IT Unternehmen mit Technologieparks in Indien. Es steht außer Frage, dass ein Kostenvorteil auch langfristig bestehen bleibt. Fraglich ist, in welcher Höhe. Die Entwicklung hängt von der Entwicklung der Nachfrage und dem Angebot an qualifizierten Arbeitskräften ab. Die Nachfrage nach IT-Kräften auf dem indischen Arbeitsmarkt ist in 2012 beispielsweise zurückgegangen, mit dämpfendem Effekt auf die Entwicklung der Gehälter [6]. Der Blick auf Absolventenzahlen zeigt, dass ein hohes Potential an Fachkräften zur Verfügung steht. Woher stammen also die immensen Gehaltssteigerungen der Vergangenheit? Dieser Widerspruch löst sich auf, wenn man den Faktor Ausbildungsqualität hinzunimmt:

Von der beeindruckenden Zahl an Absolventen qualifiziert sich nur ein kleiner Prozentsatz für Positionen in der Offshore-Industrie, hier greift nun der bekannte Mechanismus von Angebot und Nachfrage. Nach Angaben des Unternehmens Aspiring Minds, das sich auf Dienstleistungen rund um Ausbildung fokussiert, sind nur etwa 3% der Absolventen sofort einsetzbar, ohne von IT Unternehmen ein weiteres Training zu durchlaufen. Hier reflektiert sich einerseits die Qualität eines Bildungssystems, das in der Breite den internationalen Standard nicht erfüllt. Die Zahl ist aber andererseits zu relativieren, da der Ausbildungsweg eines Studenten keine Praktika enthält und damit praktisches Wissen aus dem Unternehmensalltag fehlt: Knappe Ressourcen von Studenten lassen keinen Spielraum für unbezahlte oder schlecht bezahlte Praktika. Und es gilt: Es fehlt nicht an Ambitionen, der teilweise enorme Ehrgeiz von Eltern und Studenten wird für jeden spürbar, der vor Ort in Indien arbeitet. In einer Studie der Credit Suisse aus dem Jahr 2011 wurden die durchschnittlichen privaten Bildungsausgaben eines Inders auf 7,5% geschätzt – höher als in China, Russland oder Brasilien, den anderen BRIC-Kandidaten. [7]

Der Preisvorteil ist jedoch nicht das einzige Argument für Offshoring nach Indien. Die strategische Relevanz von Offshore-Kapazitäten wird auch zunehmend von der Verfügbarkeit an Fachkräften im Heimatland bestimmt. Das spielt insbesondere für jene Länder eine Rolle, wo die demographische Entwicklung zu einer Verknappung von Fachkräften führt; oder wo die fachlichen Präferenzen der Absolventen dazu führt, dass beispielsweise technische oder ingenieurwissenschaftliche Fachkräfte fehlen. Mit beiden Herausforderungen sind deutsche Unternehmen zunehmend konfrontiert, der nächste Abschnitt wirft hierauf einen genaueren Blick.

Offshoring & Outsourcing nach Indien – Die deutsche Perspektive

Die Beratungsgesellschaft McKinsey hat in der Studie „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte“ Arbeitsangebot und –nachfrage in Deutschland analysiert und für 2020 einen Fachkräftemangel von zwei Millionen Personen errechnet. Die Prognos AG sieht in ihrer Studie „Arbeitslandschaft 2030“ bis zum Jahr 2030 einen Engpass von 5,2 Mio. Erwerbspersonen. [8] Dieser Fachkräftemangel macht sich bereits heute in der IT Branche bemerkbar:

In einem Artikel der Financial Times Deutschland Ende 2012 warnt die Online-Ausgabe der Zeitung, dass 43.000 Stellen für IT-Experten unbesetzt sind. Innerhalb von nur 3 Jahren hätte sich die Zahl der unbesetzten Jobs damit mehr als verdoppelt. Nur 8% der Unternehmen erklären, sie hätten keine Probleme bei der Stellenbesetzung. Nach der Studie „Fachkräftemangel und Know-how Sicherung in der IT-Wirtschaft“ des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO kostet dies die IT Branche ca. 11 Milliarden jährlich [9]. Diese Angebotsverknappung führt ganz offensichtlich zu einem steigenden Wettbewerb um die Fachkräfte und bereits heute zu steigenden Gehältern.

Der Blick auf die Titel der Studien zum Thema Fachkräftemangel zeigt die politisch präferierte Lösung an, mit der Deutschland auf diese Herausforderung antworten möchte/soll: Zuwanderung. Der deutsche Botschafter Michael Steiner machte erst Ende Januar 2013 in Indien erneut Werbung für den Standort Deutschland mit dem Hinweis, dass der Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt für indische Fachkräfte vereinfacht worden sei [10]. Hierzu gibt es auch zahlreiche Initiativen, nicht zuletzt das Goethe-Institut schafft in Zusammenarbeit mit der TU9 [Kurzformel für die führenden Technischen Universitäten in Deutschland] bessere Bedingungen für den Zugang indischer Studenten an deutsche Universitäten [11]. Denn gerade in den sogenannten MINT-Fächern [Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik] fehlt in Deutschland der Nachwuchs.

In welchem Maße diese Weichenstellungen für mehr Zuwanderung greifen, wird sich zeigen. Länder wie Canada oder Australien haben gegenüber Deutschland einen erheblichen Vorsprung, nicht zuletzt aufgrund der gemeinsamen „Muttersprache“. Kurz: Aus Sicht des Unternehmers gilt es auch, praktikable Alternativen auszuloten. Wenn auch Offshoring nicht die präferierte politische Lösung ist, bleibt Unternehmen häufig keine andere Wahl. In einem Gespräch September 2012 mit dem Manager einer deutschen Autofirma in Indien wurden die Dimensionen der Herausforderung besonders deutlich: Ein bestehendes Team von ca. 1.000 Ingenieuren in der Motorenentwicklung am Standort Indien wird in den kommenden Jahren auf ca. 3.000 ausgebaut. Der Stand der Motorenentwicklung und die einschlägige Ausbildung seien nicht auf dem Stand Deutschlands. Aber in Deutschland schrumpfe der Pool an Nachwuchsingenieuren, so dass der Personalbedarf nicht gedeckt werden könne.

Weitere Infos auf indienheute …

Auf diesem Forum finden Sie weitere Analysen zum zeitgenössischen Indien sowie Tipps für Business, Reisen und mehr. Folgende Beiträge könnten Sie beispielsweise auch interessieren:

[1] Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/IBM_India, Stand: 26.01.2013
[2] The Economist, Special Report “Outsourcing and Offshoring”, Asien-Edition, 19.01.2013
[3] Information des Industrieverbands NASSCOM in Indien
[4] The Economist, Special Report “Outsourcing and Offshoring”, Asien-Edition, 19.01.2013, Seite 28
[5] The Economist, Special Report “Outsourcing and Offshoring”, Asien-Edition, 19.01.2013, Seite 22
[6] Times of India, Edition Bangalore, 24.01.2013, Seite 19
[7] The Economist, Special Report “India”, Asien-Edition, 29.09.2012, Seite 21
[8] „Wettbewerbsfaktor Fachkräfte“, McKinsey Deutschland, Mai 2011; „Arbeitslandschaft 2030, Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise“, Prognos AG, 2009
[9] „IT-Spezialisten gesucht: Fachkräftemangel kostet Milliarden“, Online-Ausgabe der Financial Times Deutschland, http://www.ftd.de/karriere/karriere/:it-spezialisten-gesucht-fachkraeftemangel-kostet-milliarden/70112786.html, Stand: 26.01.2013
[10] „Germany needs skilled worders from India: German ambassador“, Online-Ausgabe der Times of India, 30.01.2013, http://articles.timesofindia.indiatimes.com/2013-01-30/india/36634944_1_german-ambassador-indian-students-skilled-workers, Stand: 16.02.2013
[11] „Indien für deutsche Unis interessant“, Deutsche Welle, http://www.dw.de/indien-f%C3%BCr-deutsche-unis-interessant/a-16366317, Stand: 27.01.2013

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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