Export indischer Priester nach Deutschland: Funktioniert das?

Gesellschaft, Kultur, Politik

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Die katholische Kirche in Deutschland leidet an einem Fachkräftemangel: Es gibt zu wenige Priester. Darum werden Gemeinden zusammengelegt, einige Priester arbeiten weit über das das Rentenalter hinaus. Die Weltkirche setzt darum Priester aus Ländern wie Indien, Nigeria oder Polen ein. Wie funktioniert die Integration? Gibt es Herausforderungen bei der Verständigung? Was passiert, wenn Vertreter der dogmatischen katholischen Kirche Indiens auf die Modernisierer in Deutschland treffen?

2010 war ich zur kirchlichen Hochzeit einer Cousine in das oberbayerische Wessobrunn eingeladen. Dort hielt ein Pfarrer aus dem südindischen Kerala die Trauungsmesse. Die Predigt war solide, der Akzent leicht exotisch, der Pfarrer strahlte. Es war eine sehr schöne Messe. Ein paar Jahre später wurde mein Patenkind in der Nähe von Augsburg getauft – wieder ein indischer Priester. Man muss also kein Statistiker sein, um die Bedeutung von ausländischen Gastpriestern in Deutschland zu sehen. Tatsächlich ist der Priestermangel so ausgeprägt, dass fast ein Fünftel der katholischen Priester aus dem Ausland stammt, insgesamt etwa 2.500. Ein Großteil hiervon sind Priester aus Indien, meist aus dem südindischen Kerala.

Nun muss man sich vergegenwärtigen, dass die katholische Kirche keineswegs ein homogenes Gebilde dargestellt, auch wenn es – im Gegensatz zu anderen Religionen – ein zentrale Instanz in Rom gibt. Die katholische Kirche Deutschlands entfaltet sich in einer modernen Industriegesellschaft, wo die 68er Revolution und Alice Schwarzer stattgefunden haben. Kerala ist noch weitestgehend ein Agrarstaat, mit wenig Industrie, patriarchalische Traditionen sind in manchen Teilen des Bundesstaates noch fest verwurzelt, in anderen Teilen bricht die Moderne durch. Und natürlich: In Kerala spricht keiner Deutsch, man spricht Malayalam.

Ein Vorteil der Süd-Inder: Die Muttersprache Malayalam hat etwa doppelt so viele Phoneme wie die deutsche Sprache, das vereinfacht das Anlernen neuer Sprachen. Trotzdem wäre es naiv zu glauben, für die Vorbereitung auf den Einsatz in Deutschland reiche es aus, einem indischen katholischen Priester ein paar Wochen Sprachkurs spendieren, dazu einen Stadtführer für das Bistum, in dem er künftig eingesetzt wird.

DIE ZEIT hat in ihrer Ausgabe vom 20.12.2017 dem Thema ausländische Priester in Deutschland ein Dossier gewidmet („Gottes Gastarbeiter“). Hierin beschreibt die Autorin Nicola Meier einen solchen intensiven Vorbereitungsprozess, der seit 2012 von sechs deutschen Bistümern im Dharmaram College in Bangalore institutionalisiert wurde. Acht Monate bereiten sich indische Priester hier auf Ihre Amtsausübung in Deutschland vor. Sprachkurse, Kirchengeschichte, Allgemeine Geschichte. Die Katholische Kirche verhält sich hier nicht anders als deutsche Investoren in Indien, die stark in Training und Qualitätsmanagement investieren, ebenso in eine ausgefeilte Personalauswahl. Nur so lässt sich der Qualitätsanspruch erfüllen. It’s a People Business.

Diese systematische Vorbereitung ist auch eine Reaktion auf eine wissenschaftliche Studie aus dem Jahr 2011. Karl Gabriel, seinerzeit Professor für Christliche Sozialwissenschaft, hatte die Integration von Gastpriestern untersucht. Sein Fazit war ernüchternd: Von zehn untersuchten Gemeinden war die Integration gerade einmal in drei Gemeinden gelungen. Kritische Themen waren vor allem mangelnde Sprachkenntnisse, fehlendes Engagement oder ein problematisches Frauenbild. Einige Kritiker gehen noch weiter und beklagen, Gastpriester aus Ländern mit strenger dogmatischer Ausrichtung würden hierzulande zu Modernisierungsbremsern; sie fordern stattdessen die Öffnung des Priesteramtes für Viri probati („bewährte Männer“) oder – warum nicht – für Frauen.

Die Katholische Kirche steht hier vor keiner einfachen Herausforderung. Soll sie weiter auf ausländische Gastpriester setzen oder aber das Priesteramt öffnen? Solange ausländische Priester in Deutschland tätig sind, gilt aber, dass auch die Gemeinden einen Teil der Integrationsarbeit leisten müssen. Dazu nachfolgend der Appell eines Kaplans:

Eine Reportage von SPIEGEL TV (aus dem Jahr 2013) macht an zwei Beispielen sehr anschaulich, wie (kulturelle) Integration von ausländischen Gastpriestern aussehen kann:

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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