Harley-Davidson in Indien: Echte Alternative zu Royal Enfield?

Motorradtouren in Indien

Sebastian ZangGeschrieben von:

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2009 erfolgte der Markteintritt der US-amerikanischen Kultmarke Harley-Davidson in Indien. Deren hochpreisige Modelle sind mehrfach so teuer wie jene des indischen Platzhirschen Royal Enfield, nicht zuletzt wegen der hohen Importzölle. Auf der Auto Expo Anfang 2014 stellte HD nun das Modell Street 750 cruiser vor, das in Indien hergestellt wird und mit einem Einstiegspreis von 4,1 lakh die Preislücke zur Konkurrenz sprunghaft verringert. Ist HD eine (echte) Alternative zu R/E in Indien?

Harley-Davidson in Indien: Echte Alternative zu Royal Enfield?

Der US-amerikanische Motorradhersteller Harley-Davidson hat 2009 in Indien die ersten Verkaufsniederlassungen eröffnet, um den attraktiven Motorrad-Markt auf dem Subkontinent mit über 11. Mio. jährlich verkauften Zweirädern zu erschließen. Das Segment der Freizeit-Biker ist im rasanten Wachstum begriffen. Das Ergebnis: Von 2010 bis 2013 hat Harley-Davidson in Indien etwa 4.000 Modelle verkauft (im Vergleich: Weltweiter Gesamtabsatz für 2013: 260.000).[1]

Aufgrund hochpreisiger Modelle (zwischen 6 und 36 lakh Rupien) und hoher Importzölle (ca. 100%) konnte Harley-Davidson bislang nur eine besonders kaufkräftige und preis-insensitive Käuferschicht ansprechen, ein kleines Segment. Also keine Bedrohung für den Platzhirsch Royal Enfield, der ebenfalls „vintage bikes“ (etwa: Oldtimer-Bikes) fertigt und in Indien (und darüber hinaus) Kultstatus genießt. Das könnte sich vielleicht bald ändern: Harley-Davidson hat Anfang 2014 auf der Auto Expo ein neues Modell vorgestellt, das spezifisch für Schwellenländer entwickelt wurde und zudem in Indien produziert wird (in: Barwal/Haryana). Aufgrund der Fertigung in Indien profitiert Harley-Davidson nicht nur von kostengünstigen Zulieferern auf dem Subkontinent, sondern es entfallen auch die hohen Importsteuern.

Das neue Modell, Street 750, mit einem 750cc Motor hat einen Ex-Show-Room Verkaufspreis von 4,1 lakh. Dieser Preis liegt deutlich niedriger als das bislang günstigste Modell aus dem H-D Verkaufskatalog, dem Superlow Standard (5,95 lakh) und verringert die Preislücke zur Modellreihe der Motorrad-Manufaktur aus Chennai: Die Preise der Enfield Modelle (ebenfalls Ex-Show-Room) rangieren zwischen 1 lakh (Modell: „Standard 350cc“) und 1,8 lakh („Continental GT“). Für einen detaillierten Vergleich bietet sich im Übrigen folgende Seite an: www.bikewale.com. Für 2015 plant Harley-Davidson zudem die Markteinführung des Street 500, ein Motorrad der selben neuen Modellreihe mit einem 500cc Motor, der die Preislücke zu Enfield nochmals schrumpfen lässt. Könnte diese neue Modellpolitik dem US-Hersteller in Indien signifikante Marktanteile im Segment der Freizeit-Fahrer sichern?

Die Motorrad-Presse reagierte bereits positiv. Der Journalist Vikram Chaudhary vom Indian Express erklärt, „I am confident that, very soon, the Street 750 will become the largest selling big bike in India.” [2] P. S. Balakrishnan von NDTV Auto stimmt in den Lobgesang ein: “But the bike really took us by surprise with its fantastic engine performance and easy yet solid handling. Unlike most Harleys which rarely get out of the garage on weekdays, we do expect the Street 750 to be on the road all though the week both in the city and on the open road.” [3] Harley-Davidson hat beim Design des Street 750 Vieles richtig gemacht: Die höhere Bodenfreiheit (145mm; im Vergleich: „Thunderbird 500“ von Enfield: 140mm) macht das Modell unempfindlich gegen die tiefen Schlaglöcher und die Speedbreaker auf Indiens Straßen. Auch das Manövrieren im (Stop-and-Stop) Stadtverkehr ist deutlich einfacher, nicht zuletzt aufgrund eines Leergewichts von nur 212kg. Das neue Motorrad ist mithin für Anforderungen in Indien passend ausgelegt.

Um Entscheidungskriterien der Gemeinde an Freizeit-Bikern besser zu verstehen und den Markterfolg der Street 750 unter Realbedingungen bewerten zu können, hat der Motorrad-Journalist Vikrant Singh ein Feldexperiment durchgeführt: Der Besitzer einer Enfield Desert Storm wurde zu einer Vergleichsfahrt mit der Street 750 eingeladen. Bereits zu Beginn seines Artikels stellt Vikrant Singh jedoch gleich klar: “No matter how it sounds in the title, this isn’t a contest, a comparison or whatever else you might want to call it. Because if it were – apart from the price, and possibly ease of maintenance – the Harley-Davidson Street 750 would win on every parameter.” [4] Nämlich? Leistung (H-D: 47 PS vs. R/E: 27 PS), Kühlsystem (H-D: Flüssigkeitskühlsystem vs. R/E: Luftkühlung), Antrieb (H-D: Riemenantrieb vs. R/E: Kettenantrieb). Dafür kostet die Harley-Davidson (4,1 lakh) aber auch 250% (!) mehr als die Enfield (1,56 lakh). So, wie lautete nun das abschließende Urteil des „Testfahrers“?

“I would love to buy this Harley!”, erklärt der Testfahrer begeistert … und schiebt dann nach: “For this kind of money, I can buy a car. And honestly, even though the Harley is better, the Royal Enfield works fine for me on long rides.” [4] Diese Haltung trifft einen Nerv unter Freizeit-Bikern in Indien, Ähnliches liest man auf diversen Blogs. Zum Beispiel: „The Harley will make the best ‘bad ***’ sound, and will probably impress your guy friends more, but in truth, the Enfield has a better value/cost/fun ratio.” [5] Und last but not least: Das neue Modell Street 750 ist zweifelsohne die richtige Antwort eines Entwicklers/Ingenieurs für den indischen Markt. Einen wichtigen Wettbewerbsnachteil gegenüber Royal Enfield wird Harley-Davidson allerdings kurzfristig nicht lösen können: “Also, the Harleys which pride themselves on build quality have fallen apart on long drives on India’s pot-hole ridden roads. The equally well built Enfields have fallen apart too, but they weren’t so expensive to begin with, and over and above that they can be fixed anywhere in India, by any mechanic. The spares and parts are readily available. Harley is a long way off in that department, too.” [6]

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[1] ”Harley-Davidson 4Q Report – Sales Up in 2013”, Byron Wilson, 30.01.2014, http://www.motorcycle-usa.com/568/17865/Motorcycle-Article/Harley-Davidson-4Q-Report—Sales-Up-in-2013.aspx [Seitenabruf 25.06.2014] [2] ”Harley-Davidson Street 750 review: The Pocket Hercules”, Vikram Chaudhary, in: Online-Ausgabe von “Indian Express”, 03.05.2014, http://indianexpress.com/article/business/business-others/harley-davidson-street-750-review-the-pocket-hercules/ [Seitenabruf 30.06.2013] [3] ” Review: Made-in-India Harley Davidson Street 750 ready to rumble”, P S Balakrishnan, in: NDTV Auto, 02.04.2014, http://auto.ndtv.com/reviews/review-made-in-india-harley-davidson-street-750-ready-to-rumble-384255 [Seitenabruf 30.06.2014] [4] ” Harley-Davidson Street 750 vs Royal Enfield Desert Storm: Is it worth the upgrade?”, Vikrant Singh, 05.05.2014, http://www.zigwheels.com/news-features/features/harleydavidson-street-750-vs-royal-enfield-desert-storm-is-it-worth-the-upgrade/18427/ [Seitenabruf 30.06.2014] [5] ” Harley davidson iron 883 vs royal enfield classic battle green?”, https://in.answers.yahoo.com/question/index?qid=20130516002823AAXTkPm [Seitenabruf 30.06.2014] [6] ”A Royal Enfield Challenge for Harley Challenge”, http://mediapanther.co.in/branding/royal-enfield-challenge-harley-davidson/ [Seitenabruf 30.06.2014] [7] ” Harley-Davidson Street 750 review, test ride”, in: Autocar India, 29.03.2014, http://www.autocarindia.com/auto-reviews/harley-davidson-street-750-review-test-ride-381197.aspx [Seitenabruf 30.06.2014] [8] ” Harley sparks a price war, prices Street750 at Rs. 4.1 lakh”, in: Online-Ausgabe der “Hindustan Times”, 05.02.2014, http://www.hindustantimes.com/autos/autoexpo2014/harley-davidson-launches-street-750-at-rs-4-1-lakh/article1-1180516.aspx [Seitenabruf 30.06.2014]

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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