“India Innovation Study” der Bertelsmann Stiftung: Innovationspotential für deutsche Unternehmen in Indien

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Sebastian ZangGeschrieben von:

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Mehr als 1.000 Forschungszentren von internationalen Konzernen gibt es bereits in Indien, vor allem die Stadt Bangalore genießt hohe Beliebtheit bei Konzernen ebenso wie bei Start-Ups. Auf den ersten Blick überrascht diese Zahl, denn der Standort Indien schneidet regelmäßig schwach ab bei Indikatoren wie Forschungsausgaben oder Patentanmeldungen. Umso interessanter ist der differenzierte Blick der Studie auf die Leistungsfähigkeit Indiens in punkto Innovation. Die Studie weist gleichzeitig auf das Potential für deutsche Unternehmen hin, denn die demographische Herausforderung sowie die Innovationslücke gegenüber Ländern wie Schweiz, Dänemark oder Niederland erfordern neue Antworten.

Die Autoren der Studie sehen vor allem zwei Bereiche, wo der Standort Indien eine hohe Innovationsleistung zeigt. Zum einen die Adaptation von Produkten/Dienstleistungen aus reifen Märkten für den heterogenen und unterversorgten Markt Indien. Zum anderen gibt es dort eine erfolgreiche FRUGAL Innovation, die auch ausführlich in der Rezension zum Buch Riding the tiger vorgestellt wurde. FRUGAL steht für: Functional – Robust – Userfriendly – Growing (high volume, low-margin) – Affordable – Local (address customer issues in local context). Hier entstehen Produkte/Dienstleistungen für ein Umfeld mit hoher Ressourcenknappheit, was Emerging Markets besonders prägt. Diese Art der Innovation hat eine besonders hohe Bedeutung, da 90% des Bevölkerungswachstums und 70% des Wirtschaftswachstums bis 2030 in eben diesen Märkten stattfinden wird.

Die Studie konstatiert: „India is rapidly becoming both the lead market and global hub for frugal innovation.“ Eine Empfehlung der Studienautoren an deutsche Unternehmen lautet konsequenterweise, dieses wirtschaftliche Potential zu realisieren; ein Ansatz hierfür bestünde darin, FRUGALe Produkte/Dienstleistungen indischer Unternehmen zu lizensieren und dafür einen globalen Vertrieb aufzusetzen. Für manche Unternehmen ist es auch ein gangbarer Weg, ein eigenes Produkt zu nehmen und dies in einer Entwicklungskooperation mit einem indischen Partner für Emerging Markets zu adaptieren, also: eine FRUGALe Produktvariante zu entwickeln.

Für deutsche Unternehmen macht es zudem Sinn, den indischen Markt aus einem anderen Grund im Auge zu behalten: Zwar sind die Rahmenbedingungen für indische Start-Ups keineswegs ideal, insbesondere die Infrastruktur für Venture Capital ist schwach entwickelt. Dennoch weist Indien bereits 4.200 Start-Ups auf, mit 10 sogenannten Unicorns (Unternehmenswert größer 1 Milliarde US-Dollar innerhalb der ersten 10 Jahre nach Gründung); gemessen an diesen Zahlen (ungeachtet der Erfolgsaussichten oder der Kapitalausstattung) ist dies die drittgrößte Start-Up-Szene weltweit.

Die „India Innovation Study“ (Veröffentlichszeitpunkt: September 2016) können Sie unter folgendem Link als PDF-Dokumente herunterladen: Download Studie

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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