Indien: 30 Millionen Straßenhunde und ein Deutscher Schäferhund!

Gesellschaft, Kultur, Politik

Vipul SwaroopGeschrieben von:

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Es ist eine sehr besondere Beziehung zwischen Mensch und Hund. Für Inder ist der Haushund ein Familienmitglied. Die Anzahl von Hunden in Indien wächst jedes Jahr und liegt bereits bei über 40 Million (Haushunde, Straßenhunde). Wir haben sogar unsere eigenen Hunderassen, die schon weltbekannt sind. Ich bin selbst ein Hundebesitzer und freue mich, Ihnen die Hundewelt Indiens vorzustellen.

Haushunde – Bruder, Schwester, Sohn oder Tochter in indischen Familien

Die Haushunde leben sehr eng in ihren Familien, so wie in Deutschland. Die meisten Haushunde finden sich in Indiens Großstädten. Mit 10 Millionen Haushunden belegt Indien Platz Sieben auf der Liste der Länder mit den meisten Haushunden. Diese Hunde werden wegen des Straßenverkehrs an der Leine geführt. Die Mehrheit von Haushunden sind Rassenhunde. Abgesehen von weitverbreiteten Hunderassen wie Deutscher Schäferhund, Labrador, Dobermann, Rottweiler usw. haben wir auch unsere eigenen Rassen wie Rajapalyam, Mudhol Hound, Rampur Greyhound, Gaddi Kutta (mehr Info). Das sind vor allem Wachhunde. Im allgemein werden die Haushunde trainiert. Wie in Deutschland auch, haben Vermieter allerdings Vorbehalte, darum haben Hundebesitzer eine eingeschränkte Wahl an Wohnungen. Exotische bzw. seltene Hunderassen wie der Siberian Husky, Zwergspitz, Tibetian Mastiff, Bulldog findet man auch in Indien, allerdings sehr seltsam, da Hunde und dessen Erziehung teuer sind. Ich persönlich finde, wirklich geeignet sind diese Hunde nicht für unser Land bzw. das Klima.

Haushunde sind im Vergleich zu Straßenhunden dick, dank großzügiger Fütterung durch ihre Besitzer. Der Großteil der indischen Haushunde lebt im Haus, genauso wie in den deutschen Großstädten. Für die heißen indischen Sommer (48°C: Höchsttemperatur des Jahres) haben Hunde ihre eigene Strategie: Sie suchen sich entweder kühle Ecken. Oder, wie mein Hund, sie schaffen sich kühle Ecken. Mein Hund tut das Folgende, um sich abzukühlen: Er lässt das Wasser aus seiner Wasserschale schwappen und legt sich einfach in die Pfütze. Das ist seine Sonderstrategie und damit bin ich auch einverstanden.

Die Kosten der Hundeernährung sind erstaunlicherweise fast gleich in Indien und Deutschland, wenn Hunde mit industriellem Hundefutter gefüttert werden. Ein Unterschied besteht bei den unterschiedlichen Arten von Hundefutter. Im Wesentlichen gibt es in Indien zwei Arten von Hundefutter, nämlich Trockenfutter und Nassfutter. In Indien ist das Trockenfutter verbreiteter als das Nassfutter. Anders als in Deutschland, wo das Nassfutter üblicher ist. Grundsätzlich hängt es von der Verfügbarkeit ab. In Indien kann man leider nicht Nassfutter überall (also in Tiergeschäften) kaufen und geht am besten aus Internet. Der Tierfuttermarkt in Indien ist im Übrigen interessant für Investoren, denn die Umsatzprognosen (also Hundefutter und Katzenfutter) für 2016 liegen bei über 92 Million EURO! Die meist verkaufte Art von Trockenfutter in Indien ist das Futter von der Marke „Pedigree“. Dieses Trockenfutter enthält auch Fleisch. Hunde lieben Pedigree. Mein Hund isst Pedigree jederzeit und macht alles für eine Handvoll davon. Also vor allem hilft es während des Trainierens.

Insgesamt kostet die Hundehaltung in Deutschland mehr im Vergleich zu Indien. Die monatlichen Kosten für einen Haushund liegen in Deutschlande bei 80 bis 85 EURO. Darunter fallen vor allem Nahrung, Tierarztbesuche, Hundesteuer und Hundehaftpflichtversicherung. In Indien hingegen liegen vergleichbare Aufwendungen bei ca. 25 bis 40 EURO. Die Kosten sind niedrig, weil wir beispielsweise Hundesteuer oder Hundehaftpflichtversicherung entfallen. Am Ende des Tages hängen diese Kosten natürlich zusammen mit der Größe und Rasse der Hunde. Bei obiger Kostenbetrachtung sind allerdings einmalige oder unregelmäßige Kosten wie Urlaubsbetreuung, Grundausstattung, Spielzeug usw. nicht enthalten.

Wie in Deutschland haben wir auch alle möglichen Arten von Dienstleistungen für die Hunde. Die meist verwendeten Services sind Hundetraning, Hundestyling, Hundeausführen (also für Gassigehen) und Urlaubsbetreuung. Darunter wird Hundeausführer-Service am meisten genutzt. Alte Leute nutzen diesen Service am meisten. Wussten Sie übrigens, dass ein Hundeausführer in den USA ca. 133.000 EURO im Jahr verdient.

Straßenhunde – mehr als 30 Millionen

In Großstädten begegnen Sie fast an jeder Ecke den Straßenhunden. Etwa 90% gehören der Rasse der Pariah Hunde an. Sie sind die Nachkommen von Hunden, die für viele Tausende von Jahren mit den Menschen lebten. Der Rest sind verlorene Haushunde und daraus entstandene Mischlinge. Aktuell leben 30 Millionen Hunde in Indiens Städten, der Bestand wächst jeden Tag.

Heutzutage sind in Indien die Straßenhunde zu einer Gefahr geworden. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es pro Jahr durchschnittlich 20.000 Todesfälle wegen Tollwut, die vor allem durch Straßenhundebisse übertragen werden – das ist ein Drittel aller Todesfälle durch Tollwut weltweit. Kürzlich hat die Stadtbehörden von Mumbai Zahlen veröffentlicht, wonach in den letzten 20 Jahren ungefähr 434 Menschen durch Hunde-Attacken gestorben sind. Und leider ist diese Zahl größer als die Todesfälle durch Terroranschläge (422) im gleichen Zeitraum. Letztes Jahr gab es einen Fall in der südindischen Stadt Kerala, wo die Regierung einen Entschädigungsbetrag in Höhe von 530 EURO für den Tod durch eine Straßenhund-Attacke bezahlen musste. De Facto gibt es über eine Million Straßenhunde allein in Kerala.

Straßenhunde und der Umgang damit ist ein kontroverses Thema in Indien. Vor allem Tierschützer (wie PETA) vertreten die Ansicht, dass Straßenhunde nur zur Gefahr werden, wenn Sie sich bedroht fühlen. Demgegenüber haben vor allem junge Eltern Angst davor, dass ihre Kinder durch aggressive Hunde verletzt oder gar zu Tode kommen können. In 2015 sorgten in Kerala über 300 registrierte Bissverletzungen durch Straßenhunde innerhalb kürzester Zeit zu großer Aufregung in der keralesischen Öffentlichkeit. Die Regierung reagiert mit brutalen Maßnahme, nämlich die Massentötung/ Massenkeulung von Straßenhunden. Dies führte wiederum zu massiven Protesten vor allem von Tierschutzorganisationen. Steffi Graf wollte in Protest sogar von ihrem Amt als Botschafterin für den Kerala-Tourismus zurücktreten. Mit Einsatz von Social Media (vgl. #BoycottKerala) statt öffentlicher Demonstrationen war der Protest in diesem Fall sehr effektiv: Die Maßnahmen wurden schließlich auf Eis gelegt. Mehr dazu auf.

Jagdhunde – zum Beispiel in der Hill Station von Coorg

In dem südindischen Staat Karnataka liegt der Landkreis Coorg, der auch als die Schweiz von Karnataka bekannt ist. In dieser Gegend findet man Jagdhunde, da die Wildschweinjagd hier eine lange Tradition hat (mit Jagdschein). Bei den Jagdhunden handelt es sich dabei vor allem um den indischen Rassehund „Mudhol Hound“. Diese Jagdhunde sind sehr schlau und immer auf der Hut. Coorg ist auch sehr berühmt für seine Kaffeeplantagen. In der Regel hat ein Großteil der Plantagebesitzer Jagdhunde, die auch als Wachhunde dienen. Im Vergleich zu Haushunden in den Städten sind Jagdhunde körperlich stärker (mehr Ausdauer) und ihre Ernährung besteht aus mehr Fleisch. Die Leute von Coorg lieben ihre Jagdhunde und sie sind bereits Teil ihrer Kultur.

Wir freuen uns über Anregungen und Feedback. Schreiben Sie an redaktion@indienheute.de

Vipul Swaroop

Vipul Swaroop

ist Projektmanager bei dem IT Dienstleister Categis [www.softwaretogo.de]. Sein Interesse gilt der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Indiens. Er reist regelmäßig nach Deutschland zu Fortbildungen und für Kundenprojekte.

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