Indien: Was verdient man hier eigentlich?

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Sebastian ZangGeschrieben von:

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Was verdient man in Indien eigentlich, in einem sogenannten Niedriglohnland? Ein Rickshaw-Fahrer in Bangalore verdient beispielsweise bis zu 9.000 Rupien im Monat, umgerechnet etwa 110 EUR (Kurs vom März 2014). Aber Achtung! Die Kaufkraft in Indien ist etwa 3 Mal höher im Vergleich zu Deutschland, das heißt „kaufkraftbereinigt“ verdient der Rickshaw-Fahrer etwa 320 EUR im Monat. Was heißt „kaufkraftbereinigt“? Nun, ein sehr einfaches Mittagessen gibt’s hier schon ab 15 Cent …

Ein Postbeamter (staatlicher Angestellter) in Bangalore liegt bei einem monatlichen Verdienst von ca. 18.000 Rupien (kaufkraftbereinigt: 640 EUR), ein guter Softwareentwickler mit 4 Jahren Erfahrung bei 55.000 Rupien (kaufkraftbereinigt: 2.100 EUR). Der indische Geschäftsführer eines mittelständischen Tochterunternehmens eines westlichen Konzerns mit etwa 80 bis 200 Mitarbeitern (z.B. Maschinenbau) verdient in Bangalore ca. 175.000 Rupien monatlich (kaufkraftbereinigt: 6.250 EUR). Das sind alles Verdienste für Bangalore, wo Gehälter deutlich über dem Schnitt liegen. Denn Bangalore ist eine der teuersten Städte in ganz Indien, die Kosten für Haushaltsgas beispielsweise liegen etwa zweifach über dem nationalen Schnitt.

In „rural India“ (also: auf dem Land) liegen die Gehälter / Verdienste niedriger. Ein Tagelöhner im südlichen Bundesstaat Keralie verdient etwa 600 bis 700 Rupien am Tag (Maurer, Gärtner), also kaufkraftbereinigt 21 bis 25 EUR. Eine Teepflückerin im nördlichen Bundesstaat Assam hingegen verdient nur etwa 80 Rupien am Tag, wobei diese Arbeiter von vergünstigten Preisen profitieren für Unterkunft, medizinische Versorgung und subventionierte Lebensmittel. Nota Bene: Sozialversicherung wie Krankenversicherung gehört in Indien noch immer zur Ausnahme.

Bleibt Indien eigentlich ein Niedriglohnland? Gerade in der Softwareindustrie gab es während der Boomjahre (2003 bis 2011: Jährliches Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 8,2%) Gehaltssteigerungen um die 30% für gute Softwareentwickler. Hier geht’s zur Analyse: Wie nachhaltig sind niedrige Löhne in Indiens IT Industrie?


[1] “Liste der Länder nach Bruttoinlandsprodukt pro Kopf”, in: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf [Seitenabruf am 04.03.2013] [2] “Assams Tee“, Bericht über einen Auslandsaufenthalt in Indien von Hanna Hauschildt, in: http://hanna-in-indien.jimdo.com/2012/10/09/assams-tee/ [Seitenabruf am 04.03.2014] [3] “Bangalore costliest Indian city to live in: Survey“, 29.03.2013, in: Online-Ausgabe der „Times of India“, http://articles.economictimes.indiatimes.com/2012-03-29/news/31254521_1_mumbai-and-delhi-bangalore-s-cpi-cities [Seitenabruf am 04.03.2014] [4] “Countries with the Highest GDP Average Growth, 2003-2013“, in: Online-Ausgabe des Magazins „Global Finance“, http://www.gfmag.com/component/content/article/119-economic-data/12368-countries-highest-gdp-growth.html#axzz2uzu08R9s [Seitenabruf am 04.03.2014]

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Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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