Junge Tech Unternehmen in Indien – InMobi

Wirtschaft

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Das Unternehmen InMobi, Gründung 2007, zählt heute zu den weltweit größten unabhängigen Netzwerken für mobile Werbeanzeigen mit einer Reichweite von 1,5 Milliarden Mobilgeräten. Marktwert: Ca. 1 Milliarde Dollar. Verfolgen Sie die außergewöhnliche Entwicklungsgeschichte des Unternehmens. Lesen Sie, was die Erfolgsfaktoren für den Aufstieg von InMobi ausmachen.

Das indische Tech Unternehmen InMobi – Wie alles  begann

Die Gründungsgeschichte von InMobi verdeutlicht besonders eindrucksvoll, welches Maß an Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz StartUp-Unternehmern häufig abverlangt wird. Die Geschichte des Gründers Naveen Temari beginnt mit einer zweijährigen Phase der Exploration von Geschäftsideen. Nach Abschluss am indischen Elite-Institut IIT-Kanpur will er mehr als eine Karriere in einem der MNC (Multinational Companies). Tatsächlich erweist sich die Suche nach der zündenden Idee als die härteste Zeit: Während Kommilitonen aus dem gleichen Jahrgang bereits die Karriereleiter in renommierten Unternehmen erklimmen, verbrachte Naveen seine Zeit mit der Entwicklung und Validierung von Geschäftsideen; sobald eine Idee verworfen wurde, startete er immer wieder von Null.

Nach zwei Jahren, in 2007, war es ihm gelungen, ein halbe Million Dollar von dem Angel Investor Mumbau Angels zu sichern für das Unternehmen mKhoj. Idee: Schnäppchensuche per Mobiltelefon mit dem Programm mKhoj. Nutzer geben das gewünschte Produkt ein und erhalten gültige Sonderangebote diverser Anbieter. Aber das Produkt floppte, das Kapital war aufgebraucht. Die inzwischen vier Gründer (Naveen Temari, Amit Gupta, Abhay Singhal, Mohit Saxena) begannen eine erneute explorative Phase in dem unmöblierten 1-Zimmer-Appartment in Mumbai. Eine der Ideen wird zum Grundstein für InMobi: Ein Werbeanzeigen-Netzwerk für Mobilgeräte. Denn auch wenn es in 2007 den Smartphone Hype noch nicht gab und auch Android noch nicht da war, so waren die Gründer überzeugt, dass Mobiltelefone ein Megatrend bildeten und ein neues, riesiges Ecosystem entstehen würde.

Naveen präsentierte die neue Idee auf einer Road Show gegenüber neuen Investoren und fand in Ram Shriram von Sherpalo Ventures einen gleichgesinnten Visionär. Bereits nach der Hälfte der Präsentation ließ dieser abbrechen und wollte von Naveen wissen, wie die Implementierungsphase in den nächsten 180 Tagen aussehen würde. Zwar gab es einen solchen Plan noch nicht, aber Naveen improvisierte überzeugend genug, um den Investor zu überzeugen. Einige Zeit später wechselte das Entwicklerteam von Mumbai nach Bangalore, um inmitten des größten IT Talentpools Indiens ein Dream Team aufzubauen.

Die Unternehmensgeschichte bleibt hiernach keineswegs ohne Herausforderungen. Es gab Zeiten, wo das Unternehmen mit bedrohlichen Liquiditätsengpässen zu kämpfen hatte. Die Server mit den Anzeigen brachen zusammen. Der größte Kunde drohte mit einer Beendigung der Zusammenarbeit, was den Wegfall von 80% der Umsätze bedeutet hätte. Und nicht zuletzt drohte auch das Kernteam zwischenzeitlich auseinanderzubrechen. Der ganz normale Wahnsinn in einem StartUp also.

Die Erfolgsfaktoren für die Wachstumsstory von InMobi

Tatsächlich gab es zu Beginn viele Gesprächspartner, die den Gründern davon abrieten, ein Produkt von Indien aus zu entwickeln. Indien wäre kompetent für IT Dienstleistungen, für die Produktentwicklung müssten Sie ins Silicon Valley Kaliforniens. In Indien fehle das KnowHow für Produkte. InMobi war auch keineswegs der einzige StartUp mit dem beschriebenen Geschäftsmodell. Etwa 30 – 50 StartUps gab es, heute sind vielleicht noch 5 davon übrig – noch selbstständige wie übernommene Unternehmen eingeschlossen. Wie gelang es also InMobi, sich durchzusetzen?

Naveen erklärt: „The success is never really in the idea; success is in the execution of the idea.“ Was InMobi von Anfang an realisierte: Das Geschäftsmodell ist ein Technologie-basiertes Geschäftsmodell, darum wurde hierein von Anfang an massiv investiert. Naveen erklärt, InMobi sei ein „Technology Powerhouse“. InMobi biete nicht allein mobile Werbeanzeigen, sondern schafft zudem Mehrwert über Big Data Analytics: So können Anzeigen gezielt mit geringen Streuverlusten an die richtige Zielgruppe ausgeliefert werden. Hunderte von Terabyte an Daten werden dafür bei InMobi täglich ausgewertet. Das Geschäftsfeld sei zudem hochdynamisch, alle 6 bis 9 Monate gebe es umwälzende Veränderungen. Diese Dynamik hätte viele der Mitbewerber aus dem Rennen geworfen.

InMobi war zudem darauf bedacht, von Anfang an ein Dream Team aufzubauen. Die Verlegung des Entwicklungsteams nach Bangalore war nur ein Schritt in dieser Richtung. InMobi rekrutierte auch gezielt aus Palo Alto. Keine kleine Herausforderung. Die erste Mitarbeiterin aus Palo Alto, Ann Frisbie, wunderte sich damals: „How can an advertising company be based out of India? Little would they know what they had to do.“ Immerhin kam sie nach dem ersten Gespräch in den USA nach Bangalore. Naveen dazu. “You know, for someone coming in from Palo Alto looking at our office which was above an auto repair shop, it’s not the most welcoming of experiences.” Ann Frisbie stieg dennoch ein.

Schlussstatement Naveen: „We think we will be able to build a great company here over the next few years and make India proud.“

 

Dieser Artikel basiert im Wesentlichen auf Informationen aus dem Buch „Young Turks. Inspiring Stories of Tech Entrepreneurs.“, erschienen in 2014 im Random House Verlag.

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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