Kosten für das Hobby „Motorradfahren“ – Indien vs Deutschland

Motorradtouren in Indien

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Deutsche Touristen und Expats in Indien können sich grundsätzlich über eine höhere Kaufkraft des EURO auf dem Subkontinent freuen: Im Schnitt bekommt man für einen Euro in Indien 3 (!) Mal mehr als in Deutschland, spürbar vor allem im Restaurant oder bei Dienstleistungen wie Haushaltshilfe. Gilt das denn auch für das Hobby „Motorradfahren“? Wie teuer ist dieses Hobby in Indien? Wie schneidet Indien im Vergleich zu Deutschland ab? Hier geht’s zur Analyse …

Kosten für das Hobby „Motorradfahren“ – Indien vs Deutschland

Das Hobby „Motorradfahren“ beginnt mit dem Führerschein, und gerade hier dürften sicherlich die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Indien liegen. Beginnen wir mit Deutschland. Die Gesamtkosten für einen Führerschein Klasse A (Zweiräder mit Hubraum größer 50 cm3) liegen zwischen 1.000 Euro und 1.700 Euro, je nach Vorkenntnis bzw. Vorliegen einer Fahrerlaubnis in anderen Klassen. Diesen Kosten liegen etwa 6 Übungsfahrstunden und 12 Pflichtfahrstunden zugrunde. In Indien hingegen ist der Motorradführerschein mehr oder weniger eine Formalität. Eine Fahrschule in Bangalore veranschlagt im Schnitt 6 Fahrstunden, die Gesamtkosten liegen inklusive Fahrprüfung bei insgesamt etwa 30 EUR (!). Vergleiche hierzu auch folgenden Artikel: Motorradführerschein in Indien: 30 Euro – 4 Fahrstunden – 8 Tage. Umrechnungen Indische Rupie / Euro basieren im Übrigen für alle folgenden Umrechnungen auf einem Kurs von 82 INR/EUR (Stand: Ende Juni 2014).

Wer als Tourist oder Expat zum Motorradfahren nach Indien kommt, hat natürlich in der Regel bereits einen Führerschein. Wer tatsächlich hier das Hobby startet, ist wiederum gut beraten, zusätzliche Übungsstunden in Deutschland zu nehmen, da die Fahrschulpraxis in Indien sehr „minimalistisch“ ausgelegt ist. Wer also Wert auf Fahrsicherheit und eine gute Ausbildung legt, der kann den Kostenvorteil beim Führerscheinerwerb als kaum realisieren – wenngleich das formal betrachtet nicht erforderlich ist. Wie sieht es dagegen bei den Anschaffungskosten aus? Hier gilt, dass bei importierten Motorrädern de facto KEIN Kostenvorteil besteht, nicht zuletzt werden der hohen Importzölle (ca. 100%). Einige Beispiele: Die Harley-Davidson Street Bob kostet in Deutschland 14.485 Euro, der Verkaufspreis in Indien liegt bei 12.923 EUR. Das Modell Iron 883 liegt in Deutschland bei 8.955 Euro, in Indien bei 8.528 Euro.

Für ein Modell der deutschen Motorradmarke BMW sind die Anschaffungskosten in Deutschland sogar deutlich niedriger (Importzölle)! Das Modell F650 GS kostet in der Heimat 8.100 Euro, in Indien: 14.639 Euro (!).Bei nicht-indische Herstellern mit Fertigungsstandort in Indien hingegen liegen die Anschaffungskosten in Indien für gleiche Modelle niedriger als in Deutschland. Die Honda CBR250R kostet in Deutschland 4.490 Euro, in Indien hingegen nur 1.922 Euro. Motorräder von indischen Herstellern wiederum (TVS Motors, Bajaj, Hero) sind grundsätzlich preis-kompetitiv. Die Bajaj Pulsar 220F (220 cm3, 21 PS, Höchstgeschwindigkeit 134 km/h) beispielsweise kostet gerade mal 973 Euro.

Der kompetitive Preis für Motorräder indischer (Massenmarkt)Hersteller ist durch verschiedene Faktoren bedingt. Zum einen ist das Design der Motorräder auf Kosteneffizienz ausgelegt: Motorräder von Bajaj oder TVS haben häufig die kostengünstigere Luftkühlung statt die (teurere und effizientere) Flüssigkeitskühlung, selten erfolgt die Einspritzung elektronisch. Zu diesem Design für preissensitive Kunden kommen signifikante economies-of-scale hinzu. Der indische Motorrad-Hersteller Hero Motocorp ist mit einem Absatz von 6,1 Mio. verkauften Zweirädern in 2013 der größte Zweiradhersteller weltweit (nach Honda). Das Modell Hero Splendor allein wurde mehr als 1 Mio. Mal verkauft. Der indische Hersteller Bajaj ist der weltweit drittgrößte Motorradhersteller mit einem Absatz von etwa 3,8 Mio. Zweirädern. Zum Vergleich: Harley-Davidson verkaufte 2013 etwa 260.000 Motorräder, BMW verkaufte im gleichen Jahr 115.215 Krafträder und KTM 123.859.

Last but not least: Wie teuer sind Tanken, Versicherung und Steuern? Für den Superbenzin-Preise (Stand: Ende Juni) gilt: 1,60 EUR in Deutschland versus 1,10 EUR in Indien. Je 5.000 Fahrkilometer (Verbrauch je 100km: 3 Liter) bedeutet das einen Kostenunterschied von gerade mal 75 EUR. Hinsichtlich Steuer gilt in Indien, dass bei Anschaffung eines Motorrads eine lebenslange Steuer bzw. Einmalsteuer entrichtet wird. Diese liegt beispielsweise bei einem 500 cm3 Motorrad bei (einmalig) 270 Euro; verteilt auf eine gesamte Nutzungsdauer von 15 Jahren entspräche dies einer jährlichen Steuer von 18 Euro (vereinfachte Rechnung ohne Verzinsungsbetrachtung). Die jährliche Steuer für ein Saisonkennzeichen liegt im Vergleich dazu in Deutschland (ebenfalls 500 cm3 Motor) bei 36 Euro.

Last but not least: Die Versicherung für das oben bereits genannte Honda-Modell CBR250R liegt in Deutschland für eine Haftpflicht/Vollkasko Versicherung mit Eigenbeteiligung von 1.000 Euro je nach Versicherungsunternehmen zwischen 370 und 580 Euro (Vertragseinzelheiten: Zulassung in Stuttgart, Jahrgang 1976, 5.000 Fahrkilometer, Personenstand verheiratet, Führerschein seit 1 Jahr, kein Saisonkennzeichen, ohne Schadenfreiheitsrabatt). Für die Option „nur Haftpflicht“ unter sonst gleichen Vertragsbedingungen lägen die Kosten zwischen 75 Euro und 136 Euro. Die Versicherungskosten in Indien (Haftpflicht, Kasko) für eine Enfield Standard 350cc liegen bei 28 Euro pro Jahr. Eine differenzierte Darstellung der vertraglichen Einzelheiten sei hier ausgespart; es sei lediglich darauf hingewiesen, dass der Versicherungswert für das Honda-Modell in Deutschland deutlich höher liegt (1.230 Euro vs. 4.500 Euro) und die Schadenshöhe bei Unfallgegnern in Indien in der Regel deutlich niedriger liegt als in Deutschland.

Aus dem obigen Vergleich wird aber sicherlich deutlich, dass die Kosten bzw. der Kostenvorteil in Indien für das Hobby „Motorradfahren“ wesentlich von den Anschaffungskosten beeinflusst wird. Wer sich in Indien für das Modell eines indischen Herstellers entscheidet (z.B. Royal Enfield statt Harley Davidson), der kommt deutlich günstiger davon als in Deutschland. Was aber Indien vor allem attraktiv macht für Motorradfahrer ist aber doch vor allem eines: Das Klima. In Südindien kann man ganzjährig Motorrad fahren, das Wetter bleibt innerhalb der saisonalen Muster vorhersehbar und bietet so optimale Rahmenbedingungen für Motorradtouren. Wish you a good ride!

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[1] ”BMW F 650 GS – PREISE, FARBEN UND AUSSTATTUNGEN“, Stand: Januar 2012, http://www.bmw-motorrad.de/de/de/bikes/_pricelists/Pricelist_F650GS.pdf [Seitenabruf 01.07.2014] [2] “Honda CBR 250 R – Fahrbericht“, in: Online-Ausgabe von „MOTORRAD 7/2011“, veröffentlicht auf ADAC-Webseite, http://www.adac.de/infotestrat/motorrad-roller/fahrberichte/berichte/honda_cbr250r.aspx [Seitenabruf 01.07.2014] [3] “HONDA CBR250R – Breitensport“, Martin Vauly, in: Online-Ausgabe von „Motomobil“, 2012, http://www.motomobil.at/test-technik/125er/409-honda-cbr250r-test [Seitenabruf 01.07.2014] [4] ”Fuel Pricing at Shell Stations“, http://www.shell.com/ind/products-services/on-the-road/fuels/fuel-pricing/pricing-board.html [Seitenabruf 01.07.2014] [5] “Preise für Superkraftstoff“, in: Online-Seite des „Automobilclub von Deutschland“, https://www.avd.de/wissen/infothek/rund-um-den-kraftstoff/benzinpreise-in-europa/preise-fuer-superkraftstoff/ [Seitenabruf 01.07.2014] [6] “Steuerrechner für Zweiräder in Deutschland“, http://www.kfz-steuer.de/kfz-steuer_krad.php
[7] “Versicherungsrechner von Check24 für Motorräder in Deutschland“, https://www.check24.de/motorradversicherung/
[8] “Unternehmensseite Harley-Davidson in Deutschland“, http://www.harley-davidson.com/de_DE/Motorcycles/ [Seitenabruf 01.07.2014] [9] “Hero MotoCorp“, in: Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/Hero_MotoCorp [Seitenabruf 02.07.2014] [10] ”Harley-Davidson 4Q Report – Sales Up in 2013”, Byron Wilson, 30.01.2014, http://www.motorcycle-usa.com/568/17865/Motorcycle-Article/Harley-Davidson-4Q-Report—Sales-Up-in-2013.aspx [Seitenabruf 25.06.2014] [11] “BMW-Motorrad“, in: Wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/BMW-Motorrad [Seitenabruf 02.07.2014] [12] “Motorcycle Sales Statistics, News and Information“, http://www.webbikeworld.com/motorcycle-news/statistics/motorcycle-sales-statistics.htm [Seitenabruf 02.07.2014] [13] “ Motor Secure Insurance in India“, in: Unternehmensseite der Generali-Versicherung in Indien, http://www.futuregenerali.in/GeneralInsurance/RetailProducts/MotorInsurance/Motor.aspx# [Seitenabruf 02.07.2014]

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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