Reisen in Indien: „Jewels of the Sea“ – Die Andamanen

Reisen in Indien

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Die Inselgruppe der Andamanen (Andaman Islands, Indien) wird zu Recht „Jewels of the sea“ genannt: Hunderte von Inseln mit einer jeweils eigenen Flora und Fauna, Strände mit türkisblauem kristallklarem Wasser, zahlreiche Korallenriffe mit einer vielfältigen Unterwasserwelt. Tauchen, Schnorcheln, Fahrradtouren, Kayaking, Trekking: Die Andamanen sind ein Paradies für Naturfreunde und Ruhesuchende. [Aktualität des Artikels: Jahr 2014]

Reisen in Indien: Die Andamanen – „Jewels of the Sea“

Die Andamanen (Andaman Islands) liegen etwa 1.000 km östlich der Küste Indiens. Der Großteil der Inseln wird von einem Urwald mit vielfältiger Fauna und Flora bedeckt (Waldreservate bedecken 85% der Landfläche), vor den Küsten liegen weitläufige Korallenriffe. Das Wasser von türkisblauer Farbe ist kristallklar, die Wassertemperatur liegt ganzjährig bei ca. 24 Grad (im Vergleich: Mittelmeer während der Sommermonate: 21 – 24 Grad, Atlantik in Südfrankreich: 16 – 20 Grad). Nicht zuletzt darum zählen die Andamanen / Indien weltweit zu einem der attraktivsten Reiseziele für Scuba-Diving und Schnorcheln.

Die Inselgruppe (inklusive der Nicobar Islands) umfasst über 570 Inseln, davon 36 bewohnt. Die gesamte Bevölkerung beläuft sich auf ca. 350.000 Einwohner, der Großteil (ca. 90%) hiervon sind Zuwanderer vom indischen Festland (v.a. Bengalen, Tamilen). Etwa 10% der Bevölkerung sind Ureinwohner: „Onge“, „Sentinelese“, „Andamanese“, „Jarawa“, „Shompen“, „Nicabarese“. Die Inselgruppe ist am einfachsten per Flug über Chennai, Delhi oder Kalkutta zu erreichen (Flughafen in der Hauptstadt Port Blair).

Der Tourismus ist noch vergleichsweise schwach entwickelt. Selbst am bekannten „Radhar Nagar Beach“ in Havlock Island („The best beach in Asia“ gemäß Time Magazine, 2004) liegen die Besucherzahlen in der Hochsaison gerade einmal bei 300 – 400. Schon allein wegen der entlegenen Lage und der beschränkten Zugänglichkeit vieler Inseln (häufig nur per Fähre) gibt es dort keinen Massentourismus; der weit größte Teil (ca. 90%) der Urlaubsreisenden sind Inder vom Festland.

Jede der Inseln hält für den Besucher je eigene Attraktionen bereit. Die Reise beginnt typischerweise auf der Insel „South Andaman“ (mit Hauptstadt Port Blair), von dort aus lässt sich per Fähre die populärste Insel „Havelock Island“ erreichen (Entfernung: ca. 3 Stunden Fahrtzeit, ca. 900 Rupien pro Person mit „Makruzz“). Tauchen, Schnorcheln, Trekking, Kayaking und mehr gehören auf dieser Insel zu den beliebtesten Aktivitäten. „Neil Island“ liegt auf dem Weg zu „Havelock Island“, auch dort zählen Tauchen und Schnorcheln zu den Hauptattraktionen. „Baratang Island” (Anreise per Auto & Fähre von Port Blair aus) ist vor allem bekannt für seine Schlammvulkane (Nähe Jarawa Creek) und Kalksteinhöhlen (Nayadera). „Parrot Island“ beheimatet eine Vielzahl von Papageien. „Jolly Buoy Island“ (Fähre von Wandoor in „South Andaman“) fasziniert mit einer vielfältigen Meeresfauna und –flora (Schnorcheln, auch „Boote mit gläsernem Boden“). Und so weiter …

Reisen in Indien: South Andaman – Trekking, Beaches & andere Aktivitäten

Die Hauptstadt Port Blair selbst ist touristisch wenig interessant, auch ein Besuch in der Touristeninformation lohnt wenig. Von hier aus lassen sich aber Tagesreisen zu den Inseln „Viper Island“ (Ruinen von Kolonialbauten), „Ross Island“ (ehemalige Verwaltungszentrale während der britischen Kolonialzeit) oder „North Bay“ (Schnorcheln) unternehmen. Sie können außerdem eine kleine Trekking-Tour zum „Mount Harriett“ (zweitgrößter Gipfel der Andamanen, Indien) unternehmen, der etwas nördlich von Port Blair liegt. Werfen Sie einmal einen Blick auf einen 20-Rupien-Schein: Hier ist eben dieser Berg mit dem markanten Leuchtturm abgebildet. Von dort gibt es im Übrigen auch einen Trekking-Pfad zu „Madhuban Beach“.

Ebenso interessant ist eine Tour mit dem Roller nach „Chidiya Tapu“ (Südspitze der Insel „South Andaman“). Auf der Tour (ca. 1 bis 1,5 Stunden) kommen Sie durch vereinzelte kleine Dörfer (bzw. Vororte von Port Blair) und passieren „Corbyn’s Cove“: Der beliebteste Strand für die Bewohner von Port Blair. Die (teilweise holprige) Straße führt streckenweise durch einen beeindruckendes Waldreservat, ebenso entlang der wenig besiedelten Küste. Zwischendurch können Sie ein Frühstück oder Mittagessen genießen auf der Restaurantterrasse des Resorts „Rose Valley“ (http://www.rosevalleyresorts.com/resort-portblair.html). Einen Verleih von Rollern finden Sie bei „SARO Travels“ (www.andamansaroholidays.com bzw. Telefon (0091-99332914666 oder 0091-9434271812). Roller kosten ca. 600 Rupien/Tag. Der (einzige Verleih in ganz Port Blair) hat insgesamt 17 Motorräder und Roller (Dieses vergleichsweise beschränkte Angebot ist ein klarer Indikator dafür, dass Port Blair für Touristen häufig nur Durchgangsstation ist).

Reisen in Indien: Havelock Island – Tauchen, Schnorcheln & andere Aktivitäten

„Havelock Island“ ist die populärste Insel der Andamanen, Indien. Hier findet sich nicht zuletzt der paradiesische Strand „Radha Nagar“ („The best beach in Asia“ gemäß Time Magazine, 2004): Das Wasser ist kristallklar mit türkisblauem Schimmer, der Strand aus hellem Sand. Direkt hinter dem breiten Strand beginnt der Urwald: Zunächst lichter Wald mit hohen Bäumen (ein schattiger Rückzugsort für Picknick und Schutz vor der Sonne), dann nach etwa 100 Metern wird der Urwald dichter. Der Wellengang am Strand (hüfthohe bis mannshohe Wellen) lädt zum Spielen ein. Eine Touristenattraktion ist das sogenannte „Schwimmen mit einem Elefanten“, das hier zu spezifischen Zeiten stattfindet: Vgl. nachfolgendes Video (YouTube) für einen Eindruck: Schwimmen mit Elefant auf Havelock Island, Indien.

Eine Besonderheit der Strände (nicht nur in Havelock Island): In einigen Abschnitten ragen bei Ebbe Ausläufer von Korallenriffen am Strand hervor, manchmal vereinzelt, manchmal in einer zusammenhängenden Fläche. Während der Flut können Schnorchler hier kleinere Fische beobachten; während der Ebbe tummeln sich in den verbleibenden Wasserpfützen zwischen den Steinen kleinere Fische, Krebse, Wassergurken und andere Wassertiere. Der Anblick ist zunächst sehr ungewohnt: Wo sich noch vor wenigen Stunden ein heller Sandstrand bis zum Horizont erstreckt hat, ragen nun Steine aus dem Wasser, die in der Regel dunkel bemoost sind. Im Übrigen gilt, dass diese Strände weitgehend sauber sind (vor allem Radha Nagar). Zwar lässt das Umweltbewusstsein und Müllentsorgung der (vorwiegend indischen) Touristen zu wünschen übrig (wie in allen Teilen Indiens), aber man stolpert als Urlaubsreisender dennoch vergleichsweise selten über Plastikflaschen oder Yoghurtbecher.

Auf Havelock Island gibt es zwei Tauchschulen, die Scuba-Diving unterrichten – aufgrund der vielfältigen Meeresflora und –fauna sowie wegen der tropischen Wassertemperaturen ein echtes Highlight. Einer der Anbieter ist www.diveindia.com, der Zweite www.barefoot-andaman.com. Beide haben etwa die gleiche Anzahl an Tauchlehrern (ca. 10) und unterrichten nach den Richtlinien der US-Organisation NAUI (=“National Organisation of Underwater Instructors“), vgl. www.naui.org.

Der Tauchkurs dauert 4 Tage und wird mit einem Tauchschein abgeschlossen. Es empfiehlt sich vor Anreise eine medizinische Untersuchung machen zu lassen, da das Tauchen (bis 18 Meter) bei bestimmten Krankheitsbildern mit Risiken verbunden ist (z.B. bei Herzkrankheiten). Hierzu wird man vor Ort auch beraten, ein auf das Tauchen spezialisierter Arzt berät bei Zweifeln. Nachfolgendes Video (YouTube) gibt eine Vorstellung davon, wie ein solcher Tauchkurs abläuft (Theorie, Praxis in flachem Wasser, …): Tauchkurs bei Barefoot, Andamanen. Hier noch einige Eindrücke von Tauchgängen, die mit Unterwasser-Kameras aufgezeichnet wurden: Unterwasseraufnahme beim Scuba Diving auf den Andamanen, Indien (Beispiel 1) oder Unterwasseraufnahme beim Scuba Diving auf den Andamanen, Indien (Beispiel 2).

Auch das Schnorcheln ist eine Möglichkeit, die faszinierende Unterwasserwelt auf den Andamanen / Indien kennen zu lernen. Auf Havelock Island bieten sich vor allem drei Orte hierfür an: Das Korallenriff am Leuchtturm („Light House“), das Riff am „Elephant Beach“ (per Boot oder zu Fuß erreichbar) oder aber das „Nemo Reef“ (benannt nach dem Clownfisch in „Finding Nemo“). Man fühlt sich wie in einem großen Aquarium: Schwärme von Fischen (z.B. Clownfische) navigieren um die Korallenriffe herum, Seeanemonen, Wassergurken, und Vieles mehr – etwa zwei bis drei Dutzend verschiedene Varianten von Fischen. Wer aufmerksam lauscht, kann zudem tatsächlich hören, wie größere Fische an den Korallenriffen „grasen“ – auch die (Kratz)Spuren sind gut erkennbar, wo Fische von den Riffen die Meeresflora abgrasen.

Havelock Island bietet zahlreiche weitere Aktivitäten wie Trekking, Fahrradtouren, Island Hopping und Mehr. Da die Andamanen / Indien zu etwa 85% aus Waldreservat bestehen, bietet sich ein „Jungle Trekking“ an. Einen ersten Eindruck gewinnen Sie, wenn Sie beispielsweise den Fußpfad zum „Elephant Beach“ nehmen, der etwa 45 Minuten dauert. Er führt Sie auf einem breiten Pfad durch einen lichten Urwald mit riesigen Bäumen zu beiden Seiten, begleitet von tropischem Vogelgezwitscher. Vereinzelt werden von Resorts auch geführte Touren angeboten. Zudem können Sie auch Fahrräder ausleihen. Die Straßen auf der Insel verlaufen weitgehend eben, es gibt nicht allzu viel Verkehr. Und das sogenannte „Island Hopping“ bringt Sie mit einem Schnellboot auf umliegende unbewohnte Inseln („Nicholson Island“), wo Sie Picknick machen, Schnorcheln und den Strand genießen. Allein die Fahrt auf dem Schnellboot über das türkisblaue Wasser ist ein Erlebnis. Wer möchte, kann auch Kayaking buchen. Und last but not least: Auf Havelock finden sich zahlreiche Shops, die Roller verleihen (ca. 350 Rupien / Tag), so dass sie sich einfach auf der gesamten Insel bewegen können.

Reisen in Indien: Die Andamanen – Preise und Unterkunft

Preise für Verpflegung und Restaurantbesuche sind mit Preisen anderer Reiseziele auf dem Festland vergleichbar. Preise für Unterkünfte hingegen liegen über vergleichbaren Preisen auf dem Festland (Im Vergleich beispielsweise zu verschiedenen Hotels in Goa: Urlaub in Goa: Wie man einen unvergesslichen Aufenthalt plant). Das mag den unzweifelhaft höheren Logistikkosten geschuldet sein, die beim Transport von Baumaterial auf die Inselgruppe entstehen (ca. 1.000 km per Frachter). Es ist ebenfalls bemerkenswert, dass keinerlei Hotels der 5-Sterne-Kategorie (Leela, Taj, …) zu finden sind. Es gehört im Übrigen auch zum Alltag in einem Resort, dass immer mal wieder das Knattern von Generatoren im Hintergrund zu hören ist, wenn bei Stromausfall die Notstromaggregate angeworfen werden.

Das Angebot an Resorts rangiert von sehr einfachen Bambushütten oder kleinen Zimmern bis hin zu Mini-Villas. Hier eine Übersicht zu einigen empfehlenswerten Unterkünften in Havelock Island:

  • “Island Vinnie’s“: www.islandvinnie.com. Gleichzeitig Station der Tauchschule “Dive India”. Die Anlage wird ganz im Sinne von Ökotourismus betrieben: Beispielsweise findet sich dort eine „Refill-Station“ für Trinkwasser, um den Kauf von Plastik-Wasserflaschen zu reduzieren. Nicht überraschend, dass wir gerade dort im Gespräch mit einem Tauchlehrer von einem massenhaften Ausbleichen von Korallenriffen erfahren haben, das durch einen ungewöhnlichen Anstieg der Wassertemperaturen um ca. 2008 stattgefunden hat. Das Essen im Restaurant dort ist exzellent, die Atmosphäre sehr entspannt. Preise zwischen 500 – 4.900 Rupien.
  • ”The Wild Orchid”: www.wildorchidandaman.com). Preise in Hochsaison (Mitte Dezember bis Mitte Januar) zwischen 5.500 – 8.000 Rupien, sonst 5.600 – 7.000.
  • ”Munjoh“: http://www.munjoh.com. Preise je nach Unterkunft zwischen 9.000 – 40.000 Rupien.
  • „Barefoot Resort“: www.barefoot-andaman.com. Resort liegt in der Nähe von Radha Nagar Beach. Preise in Hochsaison (Mitte Dezember bis Mitte Januar) zwischen 9.500 – 22.000 Rupien, sonst 6.500 – 17.000.

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Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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