Rekord: Ablösesumme von 1,7 Mio. für Kricketspieler in Indien

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Sebastian ZangGeschrieben von:

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Der Kricket-Schlagmann Yuvraj Singh wechselte für die Ablösesumme von etwa 1,7 Millionen EUR zum Verein “Royal Challengers Bangalore” – ein neuer Rekord. Zum Vergleich die Rekordgebote im europäischen Spitzenfußball: „Manchester United” holte 2009 den Spieler Cristiano Ronaldo von “Real Madrid” mit der Rekord-Ablösesumme von 94 Millionen Euro nach England. Im gleichen Jahr hatte Lionel Messi vom gleichen Club eine Übernahme für 150 Mio. EUR (!!) abgelehnt.

Spielerwechsel in Millionenhöhe waren lange Zeit im Kricket kaum üblich. Erst mit der Einführung des „medienfreundlichen“ sogenannten T20-Formats in 2007 kam eine erdrutschartige Wende: Während das klassische Kricket sich über einen Zeitraum von bis zu 4 oder 5 Tagen hinziehen kann, konnte mit dem neuen T20-Format ein Spiel in knapp 3 Stunden abgeschlossen werden. Diese Regelanpassung brachte schnell die heutige „Indian Premier League“ (IPL) hervor, eine „Bundesliga“ von städtischen Kricket-Teams. Geradezu über Nacht wurde Kricket zum Blockbuster des Fernsehens und damit kamen Milliarden für Filmrechte sowie lukrative Werbeverträge für die neuen Fernsehstars.

Ein Spieler, der vorher etwa pro Jahr maximal 30.000 USD verdienen konnte, verdiente nun zwischen 200.000 und 1.000.000 USD für ein IPL Turnier (in 6 Wochen!). Im zweiten Jahr der IPL verdienten die Englischen Spieler Andrew Flintoff (Chennai) und Kevin Pieterson (Bangalore) etwa 300.000 EUR pro Woche – mehr als einige der besten Fußballspieler Europas. Apropos, Wayne Rooney verdient Stand Februar 2014 18,8 Mio. im Jahr (ca. 360.000 EUR / Woche), Cristiano Ronaldo 18 Mio. EUR (ca. 350.000 EUR / Woche), Lionel Messi 15,7 Mio. EUR (ca. 300.000 EUR / Woche).

Kricket hat im Übrigen wie kaum eine andere Institution (neben der Armee) als Katalysator für eine Überbrückung der sozialen Trennungen gewirkt: Während Kricketclubs bis in die 1940er noch ausschließlich entlang religiöser Trennlinien organisiert waren, definierten sich die Klubs danach über ihre Stadt oder Region. Und während Spieler der untersten Kaste (Paria) in der frühen Geschichte des Krickets ihren niedrigen gesellschaftlichen Status zu spüren bekamen (alleine Essen, alleine Tee trinken), änderte sich dies 1923, als der Paria Vithal Palwankar aufgrund seiner formidablen Leistungen zum Captain des Hindu-Teams ernannt wurde.

Quellenangaben:
[1] “Mallya pays 4 cr extra for Yuvraj”, in: “Times of India” Bangalore Edition, 13.02.2014, Seite 1
[2] ”Cricket superpower”, Harsha Bhogle, in: „Reimagining India“, Clay Chandler, Adil Zainulbhai, Simon & Schuster, 2013, Seiten 277 ff
[3] „In Liebe. Wayne Rooney“, Christian Eichler, 24.02.2014, in: www.faz.net [http://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/eichlers-eurogoals/eichlers-eurogoals-in-liebe-wayne-rooney-12818149.html, Abrufdatum: 24.02.2014] [4] “Neuer Vertrag bringt Ronaldo 2982 Euro pro Stunde“, 16.09.2013, in: www.welt.de [http://www.welt.de/sport/fussball/internationale-ligen/article120054076/Neuer-Vertrag-bringt-Ronaldo-2982-Euro-pro-Stunde.html, Abrufdatum: 24.02.2014]

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Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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