Stärkung der Frauenrechte in Indien: Verurteilung eines Gurus wegen Vergewaltigung

Gesellschaft, Kultur, Politik

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Krawalle waren vorherzusehen. Denn der wegen Vergewaltigung Verurteilte hat eine geradezu unvorstellbare Popularität. Ram Rahim Singh, geistlicher Führer der Sekte Dera Sacha Sauda, hat eine Anhängerschaft, die fast der Bevölkerung Frankreichs entspricht: Etwa 60 Millionen. 100.000 kamen zur Urteilsverkündung und lösten Ausschreitungen aus, die zu 29 Todesopfern in der Stadt Panchkula führten. Bemerkenswert hieran ist die Konsequenz der Richter, der Ordnungskräfte. Hier hat der Staat Haltung gezeigt – für die Sache der Frau.

Die Wut der Sektenanhänger entlud sich auch in den Vororten von Neu-Delhi, Protestanten zündeten leere Busse und Zugwaggons an. Die Behörden hatten drei Kricket-Stadien als Übergangsgefängnisse für inhaftierte Krawallmacher vorgesehen, und in mehreren Orten der Umgebung verkündeten die Behörden Ausgangssperren. Vielfach werden Gurus als lebende Götter verehrt, die religiöse Identität hat in Indien noch eine weit größere Bedeutung als in Europa; so erklären sich die Ausschreitungen.

Die Situation der Frau ist in dem stark patriarchalisch geprägten Land Indien weiterhin kritisch, vergleiche dazu den Artikel Die Indien Kolumne: Über Frauen in Indien. Diese staatlich flankierte Verurteilung eines Vergewaltigers muss jedoch als ein weiterer, kleiner Schritt hin zu einer Stärkung der Persönlichkeitsrechte der Frau gelten – diese werden hier immerhin verteidigt gegen die immense Popularität eines Gurus, der im indischen Kontext die Stellung eines Halbgottes hat. Diese Konsequenz erklärt sich nicht zuletzt im Hinblick auf die Gruppenvergewaltigung an Nirbhaya in Delhi 2012, die Kritik der Weltöffentlichkeit auf sich gezogen hatte.

Eine weitere Nachricht aus Indien tauchte in diesem Sommer in den Schlagzeigen auf: Indien schafft muslimische Scheidungspraxis ab. Auch dies ist als Schritt zur Stärkung der Frauenrechte zu begrüßen – auch wenn hier die nationalistische Agenda der Regierungspartei BJP einen unangenehmen Beigeschmack mitbringt. Worum geht es? Der Oberste Gerichtshof Indiens hat eine Scheidungspraxis für verfassungswidrig erklärt, nämlich: Es genügte, dreimal „Talak“ auszusprechen (arabisches Wort für Scheidung), um eine Scheidung wirksam zu erwirken. Sogar per SMS, per Telefon oder per Posting auf Facebook.

Weiterführende deutschsprachige Artikel: Unruhen in Indien nach Urteil gegen Guru (in: DIE ZEIT) , Indien schafft muslimische Scheidungspraxis ab (in: DIE ZEIT), Ein indischer Guru wird wegen Vergewaltigung verurteilt – 29 Tote und 250 Verletzte bei Protesten (in: Neue Zürcher Zeitung)

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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