Wie schicksalsgläubig ist Indien heute?

Gesellschaft, Kultur, Politik

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Entgegen allgemeiner Meinung propagiert der Hinduismus keinen reinen Fatalismus (Dies ist nur der Fall für vereinzelte Glaubensschulen wie z.B. die Ajivaka Sekte). Nichtsdestotrotz glaubt ein Großteil der Hindu-Gläubigen an Schicksal. Die Vorstellung ist weitverbreitet, dass Gott Brahma (Prinzip der Schöpfung) das Schicksal auf die Stirn jedes Lebenswesens schreibt bevor es auf die Welt kommt. Die Schicksalsgläubigkeit der Inder ist jedoch zu relativieren …

Zwar akzeptieren Inder beispielsweise das Kastenwesen weithin als „schicksalsgegeben“. Gleichzeitig verfolgen sie aber auch proaktiv und vehement Entwicklungschancen für ihren ökonomischen und sozialen Aufstieg. Inder sind sich zum Beispiel der Bedeutung von Bildung und vor allem der damit verbundenen ökonomischen Aufstiegsmöglichkeiten in einer globalisierten Wissensgesellschaft voll bewusst. Eltern investieren darum nicht selten wesentliche Teile des Vermögens in die Aus-/Fortbildung Ihrer Sprösslinge, vielfach zulasten des eigenen Lebensstandards. Menschen in Indien ergeben sich also keinesfalls passiv in ein vermeintliches Schicksal.

Was vielfach mit „Schicksal“ verwechselt wird, ist das sogenannte “Karma“. Dieses (spirituelle) Konzept formuliert, dass jede (physische wie geistige) Handlung eine Konsequenz hat. Eine solche Konsequenz muss nicht zwangsläufig im aktuellen Leben auftreten, sondern kann möglicherweise erst in einem der nächsten Leben wirksam werden (vgl. Konzept der Wiedergeburt im Hinduismus). Was also undifferenziert als „Schicksal“ bezeichnet wird, ist im eigentlichen Sinne eine Konsequenz von Handlungen bzw. eben (positives oder negatives) Karma. Diese Konzept schließt ganz offenbar den Einfluss des Menschen auf sein Leben keineswegs aus – im Gegenteil: Das Konzept konstatiert ja, dass eben ALLE Handlungen eines Menschen eine Konsequenz haben.

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Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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