Wird Indien eine Supermacht?

Gesellschaft, Kultur, Politik

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Gemäß Prognosen wird Indien im Jahr 2025 China als bevölkerungsreichstes Land ablösen. Indien hat bereits heute [Jahr: 2014] die siebtgrößten Militärausgaben weltweit und wird bis 2020 auf Platz 4 vorrücken (nach USA, China, Russland). Andererseits hat Indien keine Diskurskultur über strategische Sicherheitspolitik entwickelt, dieses Denken ist indischen Politikern noch weitgehend fremd. Und das diplomatische Korps des Milliardenstaats ist gerade mal so groß wie jenes von Singapur …

Indien ist der größte Waffenimporteur weltweit, das Land verfügt über ein Arsenal von mehr als 80 Atomsprengköpfen (NB: Verzicht auf den Ersteinsatz). Nach Einschätzung der USA erfüllt Indiens Marine NATO-Standard. Indiens konventionelle Streitkräfte sind jenen des Erzrivalen Pakistan deutlich überlegen, aber der regionale asiatische Rivale China besitzt in allen relevanten Kategorien eine klare Überlegenheit gegenüber Indien. Beispiel: Verteidigungsbudget 2013 (Indien: 40 Mrd. USD, China: 100 Mrd. USD), Kampfpanzer (Indien: 3.300, China: 7.400), Kampfflugzeuge (Indien: 870, China: 1.900).

Das Interesse der politischen Führung an Militärfragen und strategischen Sicherheitsfragen ist verhalten. Lagebesprechungen zur strategischen Verteidigung (wie in USA, F, GB) unter der Führung von Politikern und unter Einbindung von Offizieren und staatlichen Beamten existieren in Indien schlicht nicht. Eine (aus der Zeit Jawaharlal Nehrus stammende) Linie des Quasi-Pazifismus und Blockfreiheit (wie Schweiz) sowie die Trägheit der Bürokratie verhindern die konsequente Entwicklung und Umsetzung einer strategischen Sicherheitspolitik. Dies wäre die Voraussetzung für eine Reform des militärisch-industriellen-Komplexes: Die staatlich dominierte Verteidigungsindustrie liefert vor allem Ausrüstung unter dem Weltstandard und macht die Modernisierung Indiens Armee von ausländischen Lieferanten abhängig (vor allem Russland).

Zwar hat sich Indien in der jüngeren Vergangenheit implizit am Westen orientiert (z.B. Kollaboration mit NATO in Afghanistan), aber eine explizite Allianz mit dem Westen (z.B. durch NATO-Mitgliedschaft) findet nicht statt. Indien möchte beispielsweise China nicht mit einer vermeintlichen Indo-Amerikanischen-Partnerschaft provozieren. Dabei wäre eine klare Bekenntnis Indiens zum Westen gut für die Region: Dies würde der Demokratie in Asien Auftrieb verleihen und dazu beitragen, China auf internationale Normen zu verpflichten.

Quellenangaben:
[1] “Can India become a great power”, in: The Economist, Asien Edition, Seite 11
[2] “Know your own strength”, in: The Economist, Asien Edition, Seiten 20ff
[3] ”Indien, der neue Gigant der Zukunft”, Jens Kwass, in: http://www.metropolen-der-zukunft.de/ [Abrufdatum: 24.02.2014]

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Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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