#ChennaiRainsHelp : Und alle Hände machen mit

Gesellschaft, Kultur, Politik

Theresa MoozhiyilGeschrieben von:

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Anhaltende Regenfälle von einer noch nie dagewesenen Heftigkeit‘, ‚Straßen versinken im Wasser‘, ‚Schwere Überschwemmungen‘, ‚Millionenstadt unter Wasser‘ und noch vieles mehr berichten die verschiedenen Medien zu Chennai, die Hauptstadt vom Tamil Nadu. Die weiteren Bundesstaate sind nicht betroffen, außer etwas mehr Niederschlag am Nachmittag. Also, was macht der Rest Indiens?

Die Südindische Großstadt Chennai macht Schlagzeilen. Seit mehreren Tagen regnet der übliche Nordost Monsun mit einer fast noch nie dagewesener Heftigkeit. Inzwischen soll der Niederschlag bei 34,5 cm am Tag sein. Ortsteile und Straßen der Stadt sind von Wasser überschwemmt. Schulen und Büros geschloßen. Flughäfen und Bahnstationen außer Betrieb. Der Regen soll noch einige Tage anhalten.
Der Rest der indischen Welt lässt es nicht einfach über sich ergehen. Nicht nur NGO’s sind aktiv um Hilfe und Unterstützung anzubieten, sondern einzelne Menschen und nicht organisierte informelle Gruppen. Indien nutzt die SocialMedia voll und ganz bis zu ihren Grenzen aus.
Natürlich ist inzwischen auch die indische Armee für die Rettungsdiente eingeschaltet. Der Premierminister Narendra Modi hat ein Budget von ca. ₹ 2000 Crore [ca. 270 Millionen Euros] für Chennai als Mittel für Not- und Wiederaufbaumaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Die ‚Social media‘ und das Internet

Nicht um sonst soll in einigen Jahren Indien der größte Nutzer von Social Media, besonders Facebook sein. Über Facebook und Twitter bieten Inder und Inderinnen Ihre Wohnungen und Kontaknummern an. Nicht nur in Chennai, sondern auch in den anderen Metropolen. Denn wo übernachten die vielen Leute die ursprünglich auf dem Rückflug nach Chennai waren? Viele melden sich bereit und engagieren sich für Familiensuche und Familienzusammenführung. Und das allerwichtigste, obwohl es sich so nichtig anhört – Strom um das Handi aufzuladen, damit Familien und Freunde erreichbar sind. Mit hastags und sms kann inzwischen angegeben werden ob man Kleidung, Decken oder Essen zu bieten hat. Kleine Gruppen fahren zu den online angemeldeten Wohnungen um Sachen einzusammeln und weiterzugeben. Einzelne junge IT-ler sammeln Nutzsachen von Freunden und Büros und pendeln mit eigenen Autos zwischen Bangalore und Chennai um wildfremden Menschen Hilfe zukommen zu lassen. Einige haben sogar ganze Tabellen erstellt worin angegeben ist wo und wer noch Platz und Wohnraum anbietet. Online Zeitschriften und Fernsehsender, auch der indische ndtv listet die vielen helfenden Hände und berichtet wie man als außenstehender behilflich sein kann.

Startups zur Rettung

Eine weitere initiative ist die von den Startups, besonders viele indische. Einige haben gebührenfreie Nummern erstellt, so dass Familien angerufen werden können. Andere geben dem Rest Indiens die Möglichkeit sich finanziell und direkt zu beteiligen. Z.B. hat ein indischer Lieferheld Zomato einen Essenlieferungsservice zu betroffenen Gegenden aufgenommen, wo man eine beliebige Anzahl an Mahlzeiten spendieren kann, so auch der Online-Lebensmittelladen Bigbasket.com. Über World Vision India kann man Decken und Kleider bestellen. Der indische Uber namens ‚Ola‘ hat wahrhaftig Ruderboote zur verfügung gestellt und rudert Leute zu sicheren Häfen. Ein indischer Autoverleih Zoomcar stellt seine Autos als Krankenwagen zur verfügung. Housejoy, ein Startup für Haussanierung und Handwerker, bietet kostenlosen Elektro-, Wasserleitungs- und Kammmerjägerdienste für die Schutzlager und Wohnungen an. Stayzilla ein weiterer Startup über den man Zimmer vermieten kann, motiviert Leute ihre Wohnungen anzumelden.

Die Jugend Indiens ergreift Initiave. Sie ringen sich um aktive, engagiert und tatkräftig mitzuwirken. NGOs wie Bhumi sind dafür ein gutes Beispiel. Bhumi ist einer der größten indischen Jugendfreiwilligenorganisationen. Tausende von Freiwilligen aus verschiedenen Städten in ganz Indien leisten durch Bhumi ihren Beitrag zur Bildung, Umwelt und anderen Ursachen.

Klimawandel

Ob Paris COP 21 unsere Zukunft verändert, wird sich herausstellen. Wie der indischer Author und Denker, Amithav Ghosh sagt, sind ‚die ernsthaften Veränderungen des Klimas nicht mehr zu vermeiden. Alles was wir tun können ist uns für den Aufprall zu rüsten.‘ ‚Innovation ist der einzige Weg ist umweltschonend weiter zu wachsen‘, schreibt Bill Gates, der den Kampf gegen Klimawandel im hohen Maße unterstützt, jedoch über sein investment in Geoengineering stark kritisiert wird.

Die heftigen Regenfälle seien vor allem zurückzuführen auf El Nino, spricht Mahesh Palawat, Chef –Meteorologe by Skymet, Indiens größte Wetterüberwachungsagentur. ‚Viele Taifunen wurden in den Pazifik in diesem Jahr aufgrund der Erwärmung des Ozeans gebildet . Aber der Indische Ozean ist kühl im Vergleich zu der Pazifik und der Wind brachte mehr Feuchtigkeit und somit extreme Niederschläge‘ fügt er hinzu. Wenige Städte haben ihre Regenzeit im Dezember, hauptsächlich Chennai, Kalifornien und die karibische Inseln, aber keine in einer solchen Intensität wie Chennai es seit beginn des Monats erlitten hat.

Andererseits veröffentlicht die britische Universität von Leicester als Teil der Studie des Klimawandels, dass nicht Überschwemmungen sondern der immer weniger werdende Sauerstoffsanteil die größere Bedrohung zur Überleben der Lebewesen auf der Erde sein wird.

…und es geht weiter

Die Wettervorhersage kündigt an, dass der Regen noch einige Tagen anhalten wird. Die bereits überschwemmte Großstadt rüstet sich für drei weitere Tage Regenguss.

Wir freuen uns über Anregungen und Feedback. Schreiben Sie uns an redaktion@indienheute.de

[1] ”Heaviest rainfall in over a Century Drowns Chennai”, Large Parts of TN – TIMES OF INDIA, Bengaluru, Donnerstag, Dezember 3, 2015 Seite 1
[2] ”Social Media a force multiplier in marooned city” – TIMES OF INDIA, Bengaluru, Donnerstag, Dezember 3, 2015 Seite 10
[3] ”Startups use their tech edge to push relief operations” – TIMES OF INDIA, Bengaluru, Donnerstag, Dezember 3, 2015 Seite 10
[4] ”Chennai Floods: Extend a Helping Hand, Here’s What You Can do” – http://food.ndtv.com/food-drinks/chennai-floods-extend-a-helping-hand-heres-what-you-can-do-1250261
[5] “Help Chennai: Here’s how you can lend a hand to Chennaites” – http://www.ibtimes.co.in/help-chennai-heres-how-you-can-lend-hand-chennaites-tn-flood-images-657703
[6] “#ChennaiFlood Victims Need Shelter And Food: Here’s How You Can Help Them” -http://www.huffingtonpost.in/2015/12/02/chennai-rains_n_8696034.html
[7] ”Chennai: Race to rescue India flood victims” – http://www.bbc.com/news/world-asia-india-34992000?OCID=fbasia&ocid=socialflow_facebook&ns_mchannel=social&ns_campaign=bbcnews&ns_source=facebook
[8] “Lets Pray for Chennai, Speaking Tree” – https://www.facebook.com/speakingtree/photos/a.175429025827333.32479.108825535821016/921385144565047/?type=3
[9] ”10 Ways You Can Help Victims Of The #ChennaiRains Right Now” – http://www.buzzfeed.com/regajha/chennai-rains-help#.plEaNwaMz

Theresa Moozhiyil

Theresa Moozhiyil

ist sowohl in Deutschland als auch in Indien aufgewachsen und mit den kulturellen Besonderheiten beider Länder tief vertraut. Sie hat über mehrere Jahre in leitender Funktion im Goethe-Institut Bangalore Aktivitäten zur Vermittlung deutscher Kultur in Indien begleitet. Heute arbeitet Sie als CFO für das IT Entwicklungszentrum der Categis Solutions Pvt. Ltd. Außerdem arbeitet Sie im Bereich Marketing und Sales für nachhaltigen Tourismus in Südindien: BASIS-Reisen Indien

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