Energie in Indien: Boom bei Solarstrom

Wirtschaft

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Indien ist in vielerlei Hinsicht ein idealer Standort für Solarenergie: Das durchschnittliche Energieangebot liegt bei etwa 5 bis 6 kWh/qm (Deutschland im Vergleich: unter 3 kWh/qm). Zudem fällt der höchste Energiebedarf sogar dann an, wenn die Sonne scheint, zum Beispiel für Klimaanlagen (das gilt so für Deutschland nicht). Gemessen an diesen Ausgangsbedingungen wundert man sich etwas darüber, dass die Solarenergie in Indien noch eine so geringe Rolle spielt. Aber ebendiese ändert sich gerade. Der Markt für Solarenergie boomt.

Noch Anfang 2014 lag der Stand der installierten Leistung für Solarstrom in Indien bei etwas mehr als 2 Gigawatt (Deutschland im Vergleich: ca. 36 Gigawatt). Ende 2015 waren es gerade mal 2,9 Gigawatt (GW); das ist genauso viel, wie in den USA jedes Quartal hinzukommen. Aber nun nimmt das Wachstum deutlich zu: 2016 kamen etwa 4,3 GW hinzu, bis Ende 2017 sollen laut Mercom India Research etwa 10,5 GW hinzukommen.

Dieser Ausbau an installierter Leistung ist Teil des Plans der Regierung, bis Ende 2022 100 GW an Kapazität aufzubauen. Sollte Indien dieses Ziel erreichen, wäre es nach China und den USA unter den TOP 3, was Solarstrom angeht. Wallstreet-Online erklärt: Indien ist ein Schlüsselmarkt, den jedes große Solarunternehmen bearbeiten muss. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Indien auch auf internationale Kooperationen. Auf der Pariser Klimakonferenz hoben Indien und Frankreich eine Internationale Solarallianz aus der Taufe, hier sollen die 121 Teilnehmerländer den Ausbau von Solarenergie miteinander koordinieren. Sitz der Solarallianz: Indien.

Indiens Energieversorgung basiert aktuell noch im Wesentlichen auf Kohleverstromung. Es ist weltweit drittgrößter Kohleproduzent der Welt und importiert darüber hinaus große Mengen an Kohle (etwa 100 Mio. Tonnen). Indien setzt gleichzeitig auf Atomenergie, auch hier ist das Land auf den Import des Rohstoffs Uran angewiesen. Insgesamt ist die Energieversorgung von Knappheit geprägt, überall im Land kommt es regelmäßig zu Stromausfällen, Unternehmen haben in der Regel Back-Up Stromgeneratoren, die mit Diesel betrieben werden. Insbesondere auf dem Land ist die Stromversorgung noch immer lückenhaft, etwa 270 Millionen Menschen in ganz Indien sind ohne Strom.

Aufgrund dieser Vorsorgungsituation (Energieknappheit, Importabhängigkeit) geht es der indischen Regierung bei der Förderung des Solarmarktes folglich nicht primär um Klimaziele, sondern um wirtschaftliche Entwicklung. Eine Stabilisierung der Energieversorgung ist ein wichtiges Mittel zur Armutsbekämpfung. Neben großen Playern wie First Solar, SunPower oder Jinko Solar finden sich im Solarmarkt viele kleinere Firmen, teilweise durch Crowdfunding finanziert.

Vor wenigen Monaten bin ich am Flughafen Kochi (Bundesstaat Kerala) abgeflogen. Auf dem Weg zum Flughafengebäude fährt man an großen Flächen mit Solarpanelen vorbei: Der Anfang diesen Jahres eingeweihte neue Flughafen ist der weltweit erste Flughafen, der vollständig mit Solarenergie betrieben wird. Weitere Superlative: In Delhi wurde auch in diesem Jahr der erste solargetriebene Zug eingeweiht, im Bundesstaat Gujarat wurde von Bauern die erste Solargenossenschaft der Welt gegründet.

Hier können Sie die Lektüre zum Thema vertiefen: Energieversorgung in Indien: Konventionelle versus erneuerbare Energien, Indien – Lasst die Sonne aufgehen, Indien könnte die nächste Solarenergie-Oase werden

Sebastian Zang

Sebastian Zang

begleitet und berät mittelständische Unternehmen beim IT Offshoring nach Indien: Standortwahl, Gründung, Aufbau eines IT Entwicklungszentrums. Als Geschäftsführer ist er bei dem Softwarehaus Categis GmbH seit 2011 für Aufbau und Weiterentwicklung des IT Entwicklungszentrums in Bangalore / Indien verantwortlich. Er lebt in Indien und Deutschland.

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