Elefanten in Indien: Stars der Tempelfeste, Glücksbringer und gefährliche Wildtiere

Gesellschaft, Kultur, Politik

Franz Zang - Gast AutorGeschrieben von:

Ansichten: 9484

Sie begegnen uns in Indien in Holz und in Marmor, auf Wandteppichen, Bildern oder auf Postkarten. Elefanten sind für viele Inder Glücksbringer, als Tempelelefanten erreichen die Dickhäuter bisweilen Starstatus. Als Wildtiere wiederum können Elefanten in Indien massiven Schaden anrichten. Wie viele Elefanten gibt es noch? Wo leben heute Elefanten in Indien? Wie geht die Bevölkerung mit den Wildtieren um?

Autorenprofil: Franz Zang ist Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz (Bad Kissingen) in Bayern. Er hat Indien seit 2010 mehrfach bereist und durch viele Kontakte mit der Bevölkerung die Situation vor Ort kennengelernt.

Elefanten in Indien: Woran erkennt man eigentlich den asiatischen Elefanten?

Die ersten Elefanten in Europa waren wahrscheinlich die Kriegselefanten, die mit Hannibal im Kampf gegen das Römische Reich die Alpen überquerten. Allerdings waren dies afrikanische Elefanten, die zwar mit dem asiatischen Elefanten weitläufig verwandt sind, aber bereits äußerlich Unterschiede aufweist. Der asiatische Elefant hat beispielsweise kleinere Ohren, außerdem besitzt der asiatische Elefant im Gegensatz zum afrikanischen Verwandten am Rüssel nicht zwei, sondern nur einen Finger zum Greifen. Und während beim afrikanischen Elefanten sowohl Männchen als auch Weibchen Stoßzähne haben, tragen beim asiatischen meistens nur die Männchen das begehrte Elfenbein.

Elefanten in Indien: Indiens wilde Elefanten

Indienreisende begegnen an jedem noch so entlegenen Ort Indiens Ganesha , dem Gott mit dem Elefantenkopf. Er ist eine der beliebtesten Formen des Göttlichen im Hinduismus, der Gott des Erfolgs, der Überwinder von Hindernissen und Helfer im Kampf gegen das Böse. Ganesha wird bei allen Arten von (geschäftlichen, privaten) Unternehmungen um Beistand gebeten, darum findet sich eine Statue oder einfaches Abbild in jedem Geschäft – vom einfachen Kiosk bis zum Milliardenunternehmen. Viele indische Tierschützer glauben deshalb, dass die verhältnismäßig große Zahl der wilden Elefanten in Indien ihr Leben diesem Gott bzw. dessen Verehrung verdanken. Nur deshalb hielten sich ihrer Meinung nach die Menschen zurück, Elefanten zu töten, auch wenn diese in Indien jährlich Hunderte von Menschen töten und Felder verwüsten.

Wilde Elefanten leben vor allem in den dichten Dschungeln von Assam, Bengalen, Orissa, Andra, Karnataka, Tamil Nadu und Kerala. Das Bevölkerungswachstum führt jedoch dazu, dass menschliche Siedlungen immer weiter in die Lebensräume der Elefanten vordringen und den Dickhäutern ihre natürlichen Nahrungs- und Wasserreserven wegnehmen. Kein Wunder also, dass sich die Elefanten dann über die schmackhaften Pflanzen auf den Feldern der Bauern hermachen, die an ihre letzten Rückzugsräume angrenzen. Schließlich braucht ein Elefant täglich etwa 150 kg Futter und etwa 100 Liter Wasser. Das macht die Deckung des Futterbedarfs der etwa noch lebenden 25.000 Elefanten in Indien schwer. Wenn sie dann auf den Geschmack gekommen sind, zerstören sie die Lebensgrundlagen von Tausenden von armen Farmern. Der Konflikt zwischen hungrigen Elefanten und einer wachsenden Bevölkerung scheint unauflösbar.

Elefanten in Indien: Tempelelefanten und Arbeitselefanten

Elefanten sind für viele Inder Glücksbringer und ein Symbol für göttliches Wohlwollen. Besonders im südlichen Indien, in Staaten wie Kerala, Karnataka, Tamil Nadu und Andra Pradesh, werden viele Elefanten als Tempelelefanten gehalten. Sie werden für die Tempelfeste feierlich geschmückt und sind ein fester Bestandteil der religiösen Zeremonien. Etwa 500 Tempelelefanten leben alleine in Kerala und der größte Tempel, der Guruvayoor Temple, hält etwa 50 Elefanten. Dabei ist das Leben eines Tempelelefanten nicht leicht, die Times of India berichtet von Fällen der Überlastung, wo Tempelelefanten Rande des Zusammenbruchs stehen aufgrund der vielen Einsätzen. Bei mehr als 1.600 Festen in Kerala alleine und der Tendenz, aus Prestigegründen immer mehr Elefanten aufzubieten, ist das nachvollziehbar.

<Es gibt Berühmtheiten wie der Elefant Ramachandran, der inzwischen ein richtiger Facebookstar ist. Sein Besitzer verdient mit seinen Einsätzen bei Tempelfesten jährlich etwa 125.000 Rupien (etwa 1500€) pro Tempelfest, was sich auf jährliche Einnahmen von etwa 10.000.000 Rupien (125.000 €) aufsummiert [1]. Die Kraft und die Intelligenz der Elefanten hat überall in Asien dazu geführt, Elefanten auch als Arbeitselefanten einzusetzen. Sie werden dann vor allem bei der Holzernten verwendet. In Asien gibt es noch heute Elefantenschulen, in denen Elefanten für Touristen oder für die Arbeit abgerichtet werden. Indische, thailändische und srilankische Elefantenführer werden Mahut genannt. Vgl. folgendes Video: Arbeitselefanten in der Holzindustrie (Englisch, 5:30 Minuten).

Nach Schätzungen werden weltweit jährlich über 500 Menschen durch Elefanten getötet, davon alleine 300 in Indien. So verwundert es nicht, dass es für Arbeits- und Tempelelefanten richtige Risikoversicherungen gibt (vgl. nachfolgendes Video: Amoklauf eines Elefanten in Indien (3:30 Minuten).) [2].


[1] ”Kerala’s temple elephants go viral”, Viju B, 28. August 2013, in: www.timesofindia.indiatimes.com, http://timesofindia.indiatimes.com/india/Keralas-temple-elephants-go-viral/articleshow/22112854.cms [Seitenabruf 6. 4. 2014]
[2] “Gone astray. The care and management of the Asian elephant in domesticity…”, Food and Agriculture Organisation, 1997, in: www.fao.org, http://www.fao.org/docrep/005/ac774e/ac774e0a.htm [Seitenabruf 6. 4. 2014]

Weitere Infos auf indienheute …

Auf diesem Forum finden Sie Analysen zum zeitgenössischen Indien sowie Tipps für Business, Reisen und mehr. Folgende Beiträge könnten Sie beispielsweise auch interessieren:

Wir freuen uns über Anregungen und Feedback. Schreiben Sie an redaktion@indienheute.de

Comments are closed.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer
Datenschutzerklärung.
Ok