Globalisierungsethik: Niedriglöhne in Indien

Wirtschaft

Sebastian ZangGeschrieben von:

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Zu Tausenden haben Unternehmen aus Industrienationen in Indien Offshore-Zentren eröffnet, um von den niedrigen Arbeitskosten zu profitieren. Vor allem im Bereich IT Dienstleistungen sind Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen worden. Ausbeutung oder Wirtschaftshilfe?

Globalisierungsethik & Indien: Niedriglöhne – Einführung

Im Juli 2012 wurde ich von der Redakteurin einer Regionalzeitung zu einem Interview eingeladen, das Basis für einen Artikel über ein deutsches IT-Unternehmen mit Tochtergesellschaft in Indien sein sollte. Nach einer Unternehmensvorstellung meinerseits und einem Gespräch mit vereinzelten indischen Mitarbeitern per Webkonferenz stellte die Redakteurin mir eine Frage, die mich völlig verdutzte: Können Sie das moralisch verantworten? Ich konnte diese Frage zunächst nicht einordnen und ließ sie mir erläutern. Es wurde schnell deutlich, dass wiederkehrende Skandalmeldungen über Ausbeutungen von Arbeitern in Dritte-Welt-Ländern ein tiefverwurzeltes Misstrauen gegenüber Auslandsaktivitäten in Emerging Markets provoziert hatten. Dieses Misstrauen spiegelte sich in der Frage der Journalistin wider.

Ohne Zweifel war die Wirtschaftsgeschichte des Offshoring in einigen Fällen kein Kreuzzug des Humanismus: Ende der 1990er Jahre machte vor allem Nike Schlagzeilen mit unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Schuhmanufakturen seiner vorwiegend asiatischen Zulieferer. Misshandlungen und Arbeitszeiten bis 15 oder 17 Stunden brachten Globalisierungsgegner gegen den Sportgiganten auf. Nike reagierte schließlich. Aber die Empörungswelle hat diese Problematik keineswegs aus der Welt geschafft. Nachrichten über miserable Arbeitsbedingungen sind noch immer an der Tagesordnung: Mitte 2010 erschütterte zum Beispiel eine spektakuläre Selbstmordserie im chinesischen Montagewerk von Foxconn Technology Group [in Shenzhen] die Öffentlichkeit. Dort gehen unter anderem Apple’s iPhones vom Band. Foxconn verdopelte die Löhne ansgesichts des politischen bzw. medialen Drucks. Die Unruhen unter den Arbeitern bestehen weiterhin.

Indien spielt als Offshoring-Standort für die Fertigungsindustrie eine untergeordnete Rolle, nicht zuletzt wegen einer notorisch schwachen Infrastruktur [v.a. Transport, Energie], die der Qualität der Chinesischen deutlich hinterherhinkt. Während sich China in den vergangenen Jahrzehnten darum als „Fabrik der Welt“ herausgebildet hat, ist Indien der beliebteste Offshoring-Standort für Dienstleistungen: Mehr als 50% der weltweit verlagerten Dienstleistungsjobs gehen nach Indien [1]. Dazu zählt die Softwareentwicklung, Call-Center, Dienstleistungen im Bereich Buchhaltung und ein wachsender Anteil an Forschung & Entwicklung. Bei der Untersuchung der Frage „Niedriglöhne bei gutem Gewissen“ legt dieser Artikel den Fokus folglich auf eben diese Dienstleistungsindustrie.

Globalisierungsethik & Indien: Niedriglöhne – Arbeitsbedingungen in der Service Industrie

In seinem Buch „One night @ the call center“ erzählt der Bestsellerautor Chetan Bhagat eine Liebesgeschichte aus dem modernen Indien. Hauptschauplatz ist ein Call-Center in Gurgaon im Norden Indiens. Die Geschichte entfaltet sich aus der Perspektive von Shyam, einem von 6 Call-Center Agents, deren Leben der Leser im Verlauf der Geschichte näher kennen lernt. Der typische Tag eines Call Center Mitarbeiter beginnt hier mit der Fahrt im Taxi, das die Mitarbeiter jeden Tag an deren Wohnort abholt. Die Arbeitsplätze liegen in einem modernen Büroraum, jeder verfügt über einen Computerarbeitsplatz und ein Headset. Nach der 8-Stundenschicht bringt das Taxi die 6 Call Center Mitarbeiter wieder zurück zu ihrem Wohnort.

So märchenhaft sich die Beziehung zwischen Shyam und seiner Angebeteten Priyanka entfalten mag, so real sind doch die Arbeitsbedingungen beschrieben: Der sogenannte „Transport Service“ ist Standard für große Dienstleistungsunternehmen wie Wipro, TCS, Infosys, Bosch, Siemens, DELL oder IBM. Jedes Unternehmen hat in einer Stadt wie Bangalore quasi ein eigenes Busliniennetz, mit dem Mitarbeiter aus verschiedenen Stadtteilen zu ihrem Arbeitsplatz gelangen können – und wieder nach Hause. Dieser Transport Service stellt gleichzeitig sicher, dass Mitarbeiter pünktlich zur Arbeit gelangen. Der Verkehr in einer Millionenstadt wie Bangalore ist dicht und stockend, die Fahrt dauert mitunter 2 Stunden.

Und die Arbeitszeiten? Der 8-Stundenarbeitstag ist in den großen Unternehmen in Indien die Norm: TCS, Infosys, Wipro, IBM, aber auch bei den mittelständischen Unternehmen wie Amba Research mit ca. 1.800 Mitarbeitern. Längere Arbeitszeiten mit Überstunden finden sich dort, wo wir Sie in Deutschland auch erwarten würden: Kurz vor Auslieferungsterminen bei großen Entwicklungsprojekten, bei Führungskräften oder bei kleinen Unternehmen, die mit geringeren Margen arbeiten. Und wer einmal einen Eindruck von dem Arbeitsumfeld eines der IT Ginganten bekommen möchte, kann hier einen Blick auf den Campus von Infosys werfen: Campus Facilities Infosys

Exkurs: Losgelöst von dem Blick auf die indische Dienstleistungs und IT-Industrie zeigen Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit, dass es Arbeitern in Asien’s Fertigungsindustrie zunehmend gelingt, neue Rechte zu erkämpfen. Zur gleichen Zeit werden im Übrigen Arbeitsverhältnisse in den Industrieländern zunehmend flexibler. Kurz: Eine globale Angleichung der Arbeitsverhältnisse findet statt. So haben beispielsweise Spanien und Italien als Reaktion auf die Eurokrise große Arbeitsmarktreformen eingeführt. Und die Bereitschaft zu Nachtschichten nimmt im Westen zu: So zum Beispiel bei Jaguar Land Rover [Tata Konzern] am Fertigungsstandort in der Nähe von Liverpool, wo ab August 2012 wieder Nachtschichten gearbeitet werden. Und auch die drei großen Autohersteller der USA arbeiten wieder zunehmend rund um die Uhr. Währenddessen wurden bei den zwei großen Autoherstellern in Südkorea, Hyundai und Kia, die Nachtschichten abgeschafft. Exkurs Ende [2]

Globalisierungsethik & Indien: Niedriglöhne – Arbeitszufriedenheit und Fluktuation

Ist die Arbeitswelt in der Dienstleistungswelt Indiens nun tatsächlich so rosig? Man könnte beispielsweise die Frage stellen, warum die Service-Industrie von Fluktuationsraten um die 15% geprägt ist?

Die IT Industrie Indiens durchläuft einen dynamischen Reifeprozess: In den 90er Jahren fokussierte sich die IT Industrie vor allem auf die Maintenance von Software, die von Drittanbietern (zunächst in den USA) designed und entwickelt wurde. Heute zählen Softwaredesign und Entwicklung zum Standardangebot auch der IT Industrie Indiens. Und im Jahr 2012 wurde der indische IT Gigant Infosys von Forbes zu den innovativsten Unternehmen weltweit gezählt, ein sichtbares Zeichen dafür, dass die IT Industrie Indiens das Entwicklungsstadium reiner „coding shops“ inzwischen hinter sich gelassen hat. Seit einigen Jahren drängt sie nun auch in das hochpreisige Consulting-Segment.

Hier wird einerseits deutlich, mit welchen Chancen Offshoring für die Zielländer verbunden ist. Andererseits gilt, dass es noch immer eine große Zahl von Arbeitsplätzen gibt im Bereich der weniger anspruchsvollen Tätigkeiten. Diese Aufgaben werden von Mitarbeitern ausgeführt, die dafür im Grunde überqualifiziert sind. Für einen Teil der Jobprofile gilt zudem, dass die Ausrichtung der Offshore-Industrie auf den größten Exportmarkt USA auch mit einer Ausrichtung auf die „Kernarbeitszeiten“ in den USA verbunden ist: Der Zeitunterschied zwischen Indien und New York liegt bei 9,5 Stunden, zwischen Indien und Kalifornien sogar bei 13,5 Stunden. Für Projektmanager oder Call-Center-Mitarbeiter heißt das häufig Nachtschichten, um während der US-amerikanischen Geschäftszeiten gleichauf zu sein.

Niedrigqualifizierte Jobprofile oder Nachtschichten: Es ist offensichtlich, dass Arbeitskräfte in einer solchen Situation jede Gelegenheit für einen Jobwechsel nutzen.

Eine zweite Erklärung für die Fluktuation ist denkbar einfach: Zweifellos hat die IT Industrie in den vergangenen Jahren exorbitante Wachstumszahlen generiert, die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften ist entsprechend gestiegen. Es zählt nun zu den Kuriositäten in der Arbeitswelt, dass große Gehaltssprünge am einfachsten mit Unternehmenswechseln erzielt werden können. IT Unternehmen in Indien mit ambitionierten Wachstumszielen [in einem wachsenden Markt] sind zudem häufig auf erfahrene Mitarbeiter [anderer Softwarehäuser] angewiesen. Headhunter unterstützen die Abwerbung erfahrene Mitarbeiter. Und Unternehmenswechsel sind mit einem Gehaltsprung verbunden, der bei Verbleib beim bisherigen Arbeitgeber nicht möglich ist. Das gilt im Übrigen nicht nur in Indien, sondern im gleichen Maße in Deutschland. Kurz: Die Industrie schafft mit solchen Verhaltensweisen Incentives für ebenjene Fluktuation, die sie gleichzeitig beklagt.

Zur einleitenden Frage dieses Kapitels. Die Fluktuation als Indikator für in-humane Arbeitsbedingungen ins Feld zu führen, schlägt fehl: Das Missverhältnis von Arbeitsanspruch und Qualifikation in vielen Arbeitsplätzen kann schwerlich gegen die Service-Industrie verwendet werden, vielmehr unterstreicht es die Unfähigkeit der heimischen Industrie Indiens, gute und gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Zudem müssen wir uns [aus deutscher Perspektive] hüten, an Arbeitsplätze im heutigen Indien den Maßstab der Selbstverwirklichung anzulegen: Zum einen entstehen zunehmend höher qualifizierte Arbeitsplätze in einer amibitionierten Branche Indiens; zum anderen ist ein solcher Anspruch auch kaum erfüllt für die Mehrheit der Arbeitsplätze in Deutschland.

Abschließend eine Bemerkung zu den Arbeitsbedingungen. Der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte in der IT-Industrie Indiens ist omnipräsent. Das gilt für das „Silicon Valley Indiens“ Bangalore [hier mache ich diese Erfahrung aus erster Hand], es gilt im gleichen Maße auch für Delhi, Chennai, Mumbai, Kalkutta, Gurgaon und viele Wirtschaftsmetroplen mehr. Aus Sicht des Arbeitnehmers stellt sich dies ganz einfach dar: Welcher Arbeitgeber bietet das beste „Package“ [so das Gesamtpaket aus Bezahlung, Weiterbildungsmaßnahmen & Arbeitsbedingungen]? Dieser Wettbewerb der Industrie setzt Mindeststandards – in punkto Bezahlung, Arbeitszeiten, Equipment und Vielem mehr. Kurzum: Der „Wissensarbeiter“ der Serviceindustrie hat eine komfortable Verhandlungsposition – ganz im Gegensatz zu einem chinesischen Fabrikarbeiter, der am Fließband einen Job macht, für den er keine qualifikatorischen Voraussetzungen erfüllen muss und darum einfach ersetzt werden kann.

Globalisierungsethik & Indien: Niedriglöhne – Der wirtschaftliche Effekt

Die Bewertung der Arbeitsplätze in der Offshore-Industrie dürfte aus Sicht der Arbeitnehmer vergleichsweise einfach ausfallen. Der Economist fasst dies prägnant in einem Satz zusammen. „For workers in low-cost countries it has meant jobs and rapidly rising standards of living.“ [3] Der Mitbegründer Nandan Nilekani des IT-Giganten Infosys formuliert dies so: „The industry unlocked the aspirations of countless Indians as never before throught the possibilities it offered for jobs and upward mobility.“ [4] Diese positive Bewertung wird mit dem Blick auf die Zahlen einfach nachvollziehbar: Vergleichen wir dazu das Durchschnittseinkommen in Indien mit dem Einkommen in der Offshore-Industrie:

Zur Ermittlung des Durchschnittseinkommens in Indien gehen wir aus vom Pro-Kopf-Einkommen i.H.v. 53.300 Rupies [5]. Dies entspricht beim aktuellen Kurs [72 Rupien = 1 Euro; Anfang Februar 2013] etwa 740 Euro. Berücksichtigt man des Weiteren eine Gesamtbevölkerung von ca. 1,2 Mrd. Menschen und ca. 480 Mio. Erwerbstätige [6], so gelangt man zu einem durchschnittlichen Einkommen von ca. 133.300 Rupien in Indien[7]. Dies entspricht zum o.g. Wechselkurs etwa 1.850 EUR.

Das Einstiegsgehalt eines IT-Ingenieurs liegt im Median für 2012/2013 bei 270.000 Rupien [ca. 3.750 EUR], also mehr als dem Doppelten des Durchschnittsgehalts [8]. Die Internetseite www.payscale.com ermittelt Mediane zu Gehältern aus den [freiwilligen, allerdings auch nicht verifizierbaren] Angaben von ca. 220.000 Angestellten aus ganz Indien. Diese Quelle wird der Einfachkeit halber für diesen Artikel herangezogen, da sich die hier getroffenen Angaben für Leser so leicht nachvollziehen lassen. Hieraus ergeben sich beispielsweise folgende Daten: Mit 5 bis 9 Jahren Expertise verdient man ca. 8.700 EUR, bei 10 bis 19 Jahre Expertise 16.000 EUR [9].

In der Praxis finden sich auch Gehälter, die ganz deutlich oberhalb dieses Medians liegen. Ganz grundsätzlich gilt, dass die Bildungsqualität vergleichsweise heterogen ist – was sich auch in der Gehaltssituation widerspiegelt. Nicht zuletzt haben Absolventen unterschiedliche Leistungsprofile, es kommen verschiedene Gehaltsniveaus von Standorten hinzu [Deutlich höheres Gehaltsniveau in Bangalore im Vergleich beispielsweise zu Kochi]. Hier einige Beispiele aus der Praxis und meiner eigenen Erfahrung:

  • Startet man mit einem Abschluss aus einem der Top-Ausbildungsstätten [IIT = Indian Institute of Technology, vergleichbar den „Elfenbeinturmuniversitäten“ Deutschlands], sind jährliche Einstiegsgehälter von 8.500 EUR üblich
  • Softwareentwicklerin, 9 Jahre Erfahrung, Bangalore: 14.000 EUR
  • Elektroingenieur, 11 Jahre Erfahrung, Universitätsbester, Bangalore: 27.5000 EUR
  • Softwareentwicklerin, 7 Jahre Erfahrung, Arbeitsaufenthalt im westlichen Ausland: 20.800 EUR

Die hohe wirtschaftliche Bedeutung der Service-Industrie für das Land Indien kann also kaum zu gering eingeschätzt werden. Sie erwirtschaftet zudem ca. 7,5% des Bruttosozialprodukts Indiens, generiert 25% des gesamten Exports [Devisen!] und schafft ca. 12 Millionen Arbeitsplätze: Etwa 2,8 Millionen sind direkt Beschäftigte, die übrigen Arbeitsplätze entstehen indirekt. [10]

Globalisierungsethik & Indien: Niedriglöhne – Fazit: Der Weg zu einer gerechteren Welt

Aus einer globalen Perspektive betrachtet gilt: In punkto Löhne lässt sich eine Konvergenz beobachten, die etwa der Gewerkschafts-Forderung nach „Gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ entspricht. Während die Löhne in den Emerging Markets in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind, war die westliche Lohnentwicklung in vielen Bereichen eher von Stagnation geprägt. Es ist sicherlich nicht damit zu rechnen, dass es mittelfristig zu einer vollständigen Angleichung kommt: Politische Rahmenbedingungen, Lebenshaltungskosten und Vieles mehr sind viel zu unterschiedlich. Aber mindestens lässt sich feststellen, dass diese Entwicklung tatsächlich hin zu einer gerechteren Welt führt – im Sinne einer gleichmäßigeren Einkommensverteilung. Hierzu folgende interessante Fakten:

Vor der Industrialisierung war der Wohlstand der 10 reichsten Länder etwa 6 Mal höher als jener der 10 ärmsten Länder. Dieser Wohlstandsunterschied nahm jedoch seit der Industrialisierung sprunghaft zu: Die Entwicklung, Nutzung und [massive] Verbreitung von neuen Technologien beschränkte sich im Wesentlichen auf die heutigen Industrieländer. Bis zu den 1970er Jahren wuchs der genannte Wohlstandsunterschied von Faktor 6 auf Faktor 40 an [11]. In anderen Worten: Die Einkommensverteilung in einer globalen Perspektive ist um ein Vielfaches ungerechter geworden. Die bereits angedeutete Ursache: Die Unterschiede im Zugang zu Wissen und Anwendungsknowhow für die Nutzung neuer Technologien. In dem Maße, wie nun Emerging Markets in Punkto Technologieknowhow/–einsatz zu den westlichen Wissensgesellschaften aufschließen, reduzieren sich auch die Einkommensunterschiede. Die rasante Entwicklung in vielen Emerging Markets der letzten Jahre [Brasilien, China, Indien, Südkorea, …] hat tatsächlich diesen Effekt gezeitigt: Eine Studie der französischen Ökonomen Francois Bourguignon und Christian Morrisson weist nach, dass die globale Einkommensverteilung in der jüngeren Vergangenheit tatsächlich gerechter geworden ist [12].

Es ist bezeichnend, dass die Globalisierung als Faktor für Einkommensunterschiede keine entscheidende Rolle spielt. Vielmehr ist Bildung der entscheidende Faktor [13]. So haben beispielsweise die Harvard-Ökonomen Claudia Goldin und Larry Katz in einer Länderstudie nachweisen können, dass die großen staatlichen Bildungs-Investitionen in den USA Anfang des 20ten Jahrhunderts der Grund dafür waren, dass die Einkommensverteilung in Nordamerika Mitte des 20ten Jahrhunderts wieder gleichmäßiger bzw. gerechter geworden ist [14].

Die Bedeutung von Wissen in einer globalen Wissensgesellschaft kann kaum unterschätzt werden. Es handelt sich hierbei kaum um eine völlig neue Erkenntnis. Und dennoch ist verwunderlich, in welchem Maße Bildung auf der politischen Agenda vernachlässigt wird: Die Mehrzahl der Bildungsinstitutionen in Indien erfüllen noch keine internationalen Standards. Und auch die deutsche Positionierung im PISA-Ranking entspricht nicht seiner wirtschaftlichen Bedeutung auf der Weltbühne.

[1] “Outsourcing and Offshoring”, Special Report,The Economist, Asien-Edition, 19.01.2013; Information des Industrieverbands NASSCOM in Indien
[2] “Outsourcing and Offshoring”, Special Report,The Economist, Asien-Edition, 19.01.2013, Seite 30
[3] “Outsourcing and Offshoring”, Special Report,The Economist, Asien-Edition, 19.01.2013, Seite 5
[4] “Imagining India”, Nandan Nilekani, Penguin Books, 2009, Seite 30
[5] “Per capita income crosses Rs 50,000”, Online-Ausgabe der Times of India vom 01.02.2012, http://timesofindia.indiatime Per capita income crosses Rs 50,000s.com/business/india-business/Per-capita-income-crosses-Rs-50000/articleshow/11707030.cms, Stand: 02.02.2013
[6] “Doing business in India”, Ernst&Young, 2011, Seite 13
[7] Einkünfte von Nicht-Erwerbstätigen werden in diesem vereinfachten Rechenverfahren ebenfalls Erwerbstätigen zugerechnet. Gleichzeitig wird vernachlässigt, dass ein Teil des Bruttosozialprodukts über Umverteilungsverfahren [z.B. aus Renten] Nicht-Erwerbstätigen zufließt. Beide Effekte reduzieren das Durchschnittseinkommen eines Erwerbstätigen. Da die Grundaussage dieses Kapitels unter Berücksichtigung der o.g. Effekt nicht verändert würde, hat der Autor auf eine weitergehende Recherche verzichtet.
[8] Times of India, Edition Bangalore, 24.01.2013, Seite 19
[9] Anzahl Gehaltsdatensätze am 23.01.2013: 220.343
[10] Information des Industrieverbands NASSCOM in Indien
[11] „World Economy“, Special Report, The Economist, Asien-Edition, 13.10.2012, Seite 6 ff.
[12] „World Economy“, Special Report, The Economist, Asien-Edition, 13.10.2012, Seite 4
[13] “The OECD, in a big cross-country analysis, concludes that ‘skill-based technological change’ is one of the main determinants of the richt world’s wage inequality. On average, it finds, globalisatioin – as measured by a country’s trade exporuse and financial openness – has no significant impact.”, „World Economy“, Special Report, The Economist, Asien-Edition, 13.10.2012, Seite 9
[14] „World Economy“, Special Report, The Economist, Asien-Edition, 13.10.2012, Seite 9

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